{"id":700,"date":"2019-10-29T21:21:12","date_gmt":"2019-10-29T19:21:12","guid":{"rendered":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=700"},"modified":"2021-12-18T19:54:18","modified_gmt":"2021-12-18T17:54:18","slug":"unruhe-im-gotteshaus-saechsische-zeitung-seite-3-29-10-2019","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=700","title":{"rendered":"&#8222;Unruhe im Gotteshaus&#8220; &#8211; auf den Spuren eines umstrittenen evangelischen Landesbischofs, S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 29.10.2019"},"content":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 29.10.2019<\/p>\n<h1>Unruhe im Gotteshaus<\/h1>\n<h4>Evangelische Gemeinden sind nach dem R\u00fccktritt von Landesbischof Carsten Rentzing in Aufruhr. Es geht um mehr als ein paar alte rechtslastige Texte.<\/h4>\n<p>Von Tobias Wolf (Text und Foto)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wolftobias.com\/?attachment_id=701\" rel=\"attachment wp-att-701\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-701\" src=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-10-29-S3-Unruhe-im-Gotteshaus-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-10-29-S3-Unruhe-im-Gotteshaus-150x150.jpg 150w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-10-29-S3-Unruhe-im-Gotteshaus-160x160.jpg 160w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-10-29-S3-Unruhe-im-Gotteshaus-240x240.jpg 240w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-10-29-S3-Unruhe-im-Gotteshaus-60x60.jpg 60w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-10-29-S3-Unruhe-im-Gotteshaus-184x184.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Es ist mucksm\u00e4uschenstill. Jan Dechert will Klarheit schaffen, will Ger\u00fcchten entgegentreten, die seit der R\u00fccktrittserkl\u00e4rung des Landesbischof Carsten Rentzing durch evangelische Gemeinden wabern. Es soll Verschw\u00f6rungstheorien vorbeugen. Mancher in sozialen Netzwerken wittert Verrat und Gestapo-Methoden. Viele konservative Kirchenmitglieder glauben, Rentzing sei von langer Hand geplant gest\u00fcrzt worden. Wohl auch in Erlbach, einem vogtl\u00e4ndischen Dorf, das seit 2014 zu Markneukirchen geh\u00f6rt. Ein Dorf, in dem der Dialekt eher nach bayerischer Oberpfalz als nach Sachsen klingt und das einmal im Jahr Schauplatz einer riesigen Kirmes mit tausenden Besuchern ist.<\/p>\n<p>Dechert, der Erlbacher Pfarrer, liest die Erkl\u00e4rung der Kirchenleitung vor, wonach der Landesbischof aus &#8222;eigener freier Entscheidung&#8220; sein Amt zur Verf\u00fcgung gestellt habe und, dass er politisch &#8222;vor allem von rechts&#8220; nicht instrumentalisiert werden wolle. Gut 40 Gl\u00e4ubige sitzen in der \u00fcber 150 Jahre alten Kirche. Frauen, M\u00e4nner, drei Konfirmanden, Kinder, h\u00f6ren reglos zu. Eine Seniorin in der ersten Reihe nickt Dechert eifrig zu, der auch um Besonnenheit bittet. Er kennt Rentzing gut.<\/p>\n<p>Dechert hilft an diesem Sonntag beim Gottesdienst in Markneukirchen aus. Der 38-J\u00e4hrige tauscht Schleife und Talar gegen eine Wattejacke und eilt in die Stadt, w\u00e4hrend die Gemeinde das letzte Lied singt. St. Nikolai ist eine imposante Kirche mit einem 56 Meter hohen Turm. Die Glocken l\u00e4uten noch zum Gottesdienst, als Dechert aus dem Auto springt und den Talar unpr\u00e4tenti\u00f6s direkt auf der Stra\u00dfe \u00fcberwirft. Er muss schnell auf seinen Platz in der ersten Reihe. Ein ehrenamtlicher Lektor h\u00e4lt eine Lesepredigt. Dechert ist f\u00fcr die Nachricht der Kirchenleitung zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>Wochenlang brodelte ein Konflikt um Rentzings Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung und einen Vortrag in der &#8222;Bibliothek des Konservatismus&#8220; in Berlin, einer Institution der Neuen Rechten. Ende September richteten Kirchenmitglieder und Leipziger Pfarrer eine Petition an Rentzing: der Landesbischof solle sich dazu erkl\u00e4ren und distanzieren. \u00dcber 1.200 Menschen haben bisher unterschrieben.<\/p>\n<p>Rentzing, der als \u00e4u\u00dferst konservativ gilt, erkl\u00e4rte in der Leipziger Internetzeitung, ihm sei nicht so deutlich bewusst gewesen, dass die Bibliothek zur Neuen Rechten geh\u00f6re. Nationalistisches, antidemokratisches und extremistisches Denken sei ihm sein ganzes Leben lang &#8222;immer fremd geblieben&#8220;, er lehne &#8222;jede Form von Extremismus, Nationalismus, Rassismus und Menschendfeindlichkeit ab&#8220;. Dann wurden Texte bekannt, die Rentzing als Student f\u00fcr die Publikation &#8222;Fragmente&#8220; schrieb. Ein weiterer Mitautor war Wolfgang Fenske, Leiter der &#8222;Bibliothek des Konservatismus&#8220; und 2015 Rentzings Gast bei dessen Amtseinf\u00fchrung als Landesbischof.<\/p>\n<p>Die Texte bezeichnet die Landeskirchenleitung als &#8222;elit\u00e4r, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich&#8220;. F\u00fcr Rentzings Kritiker ist es eine Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass er sich nicht eindeutig von Rechts abgrenze. Konservative im s\u00e4chsischen Bibelg\u00fcrtel vom Vogtland bis zum Erzgebirge w\u00fcrden Rentzing nun in eine Opferrolle dr\u00e4ngen, hei\u00dft es. Mancher Kirchenobere ist sauer, weil der Bischof verstummt sei, die Sprachlosigkeit schade der Landeskirche mehr als die Vorw\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Rentzing-Fans haben eine Petition zum Verbleib im Bischofsamt gestartet &#8211; auf der Internetseite Citizengo, die in Spanien von einer Stiftung gegr\u00fcndet wurde, die als fundamentalistsche Splittergruppe gilt und Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehe als unchristlich ablehnt. Angeblich haben 20.000 Menschen unterschrieben. Tests zeigen, dass man mehrfach auch unter falschem Namen zeichnen kann.<\/p>\n<p>In Markneukirchen ist der Noch-Bischof pr\u00e4sent wie sonst kaum, hier stehen sie ungebrochen zu ihm. Ein \u00f6rtlicher Steuerberater hat einen offenen Brief geschrieben. Von bewahrenden und traditionsbewussten Meinungen ist darin die Rede, von einer Hetzkampagne gegen Rentzing und einem Vergleich mit dem Dritten Reich, wonach Mitglieder der Bekennenden Kirche damals verfolgt wurden. Dabei waren es ausgerechnet Liberale, die sich gegen die mit den Nazis sympathisierenden &#8222;Deutschen Christen&#8220; wandten.<\/p>\n<p>Matthias Rudolph, der sich als Antifaschist versteht, hat die Petition der Pfarrer mit als erstes unterzeichnet. Ausl\u00f6ser sei, dass Rentzing den Eindruck erweckt habe, mit Leuten von Pegida und der AfD die Zukunft gestalten zu wollen. Man habe den Bischof nicht st\u00fcrzen wollen, sagt der 55-j\u00e4hrige Vorstand der Leipziger Vers\u00f6hnungskirche. &#8222;Wir wollten, dass er sich eindeutig \u00e4u\u00dfert und distanziert von allen nationalistischen und menschenfeindlichen Ideologien. Das hat er leider erst nach seinem R\u00fccktritt getan.&#8220; Problematisch seien nicht die Texte aus der Jugend gewesen, sondern der Umgang damit. Rentzing habe nur zugegeben, was schon nachgewiesen war. Nach Start der Petition h\u00e4tten sich andere mit der Vergangenheit besch\u00e4ftigt und anonym die Texte \u00fcbermittelt.<\/p>\n<p>Der Leipziger Pfarrer Frank Martin hatte die Petition mit initiiert. &#8222;Wir hatten von Bischof Rentzing Klarheit rechtsnationalistsche Tendenzen auf der Stra\u00dfe und im Parlament erwartet und keinen R\u00fccktritt&#8220;, sagt der 49-J\u00e4hrige. Mehrmals habe er das Gespr\u00e4ch gesucht, aber nie eine Antwort bekommen. Wenn man es positiv sehen wolle: Es werde wieder diskutiert, was konservativ, wertkonservativ und rechtsextrem ist, was ins christliche Spektrum geh\u00f6rt. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus nicht. Die Kirche m\u00fcsse sich fragen, wie man mit Menschen umgeht, die andere wegen einer Ideologie zum Opfer machten. Rentzings j\u00fcngste Statements h\u00e4tte man fr\u00fcher erhofft. &#8222;Wir m\u00fcssen damit leben, als Bischofsm\u00f6rder dazu stehen, die Wut der Leute sucht sich ein Ventil.&#8220;<\/p>\n<p>Es gebe positive Reaktionen, aber auch viel Unverst\u00e4ndnis und Zorn von jenen, f\u00fcr die der konservative Bischof wegen ihrer Glaubensvorstellungen wichtig war. &#8222;Wir h\u00e4tten uns unbr\u00fcderisch verhalten&#8220;, sagt Frank Martin. &#8222;Luther hat damals auch eine Petition an die Kirchent\u00fcr genagelt, weil er eine \u00f6ffentliche Disputation wollte.&#8220;<\/p>\n<p>In der Markneukirchener Kirche h\u00e4ngt ein wei\u00dfes Banner \u00fcber einer Gebetstafel, darauf steht: &#8222;F\u00fcr unseren gesch\u00e4tzten Bischof Dr. Carsten Rentzing&#8220;. Davor brennen Kerzen. F\u00fcnf Jahre war Rentzing hier Pfarrer, bevor er Landesbischof wurde. Mit seiner Frau Maria, ebenfalls Pfarrerin, teilte er sich eineinhalb Stellen. Die Gemeinde sei traurig gewesen, als er ging, aber stolz, dass er Landesbischof wurde, sagt Pfarrerkollege Jan Dechert, der gut drei Jahre mit Rentzing arbeitete. 2011 war der geb\u00fcrtige Radebeuler mit seiner aus Dresden stammenden Frau nach Erlbach gekommen.<\/p>\n<p>Beurteilen wolle Dechert die &#8222;Fragmente&#8220;- Texte nicht, weil er sie nicht kenne. Demokratiefeindlichkeit oder Nationalismus habe Rentzing nie erkennen lassen. &#8222;Er ist jemand, der gro\u00dfen Respekt vor anderen und ihren Ansichten hat und eine geniale Gabe, verschiedene Sichtweisen auch zusammen zu f\u00fchren.&#8220; Er habe bei schwierigen Themen Kompromisse herbeigef\u00fchrt. &#8222;Er kann in jeder Sichtweise ein berechtigtes Anliegen erkennen.&#8220; In der Fl\u00fcchtlingsfrage habe sich Rentzing stark von rechts abgegrenzt, sich f\u00fcr das grundchristliche Anliegen eingesetzt, &#8222;den N\u00e4chsten zu lieben&#8220;. Rentzing sei gepr\u00e4gt vom Bild der biblischen Menschenw\u00fcrde. Es habe auch Sprachkurse und andere Unterst\u00fctzung f\u00fcr Migranten in Markneukirchen gegeben.<\/p>\n<p>In Annaberg-Buchholz haben sie auch f\u00fcr ihren Bischof gebetet. Hier war seine erste Pfarrerstelle, zehn Jahre lang blieb der geb\u00fcrtige Westberliner in der Erzgebirgsstadt. Eine gewisse Schockstarre und Sprachlosigkeit herrscht nach der R\u00fccktrittserkl\u00e4rung. Pfarrer Karsten Loderst\u00e4dt fing 1999 gemeinsam mit Rentzing in Annaberg an und blieb. &#8222;Ich habe ausgesprochen gut mit ihm zusammen gearbeitet&#8220;, sagt der 56-J\u00e4hrige. &#8222;Wir hatten in geistlicher Hinsicht eine gesegnete Zeit miteinander.&#8220; In der Gemeinde herrsche Betroffenheit, vor allem an Rentzings fr\u00fcherem Wirkungsort im Plattenbaugebiet.<\/p>\n<p>Loderst\u00e4dt habe bei Rentzing nicht die kleinste Andeutung wahrgenommen, was zu den Vorw\u00fcrfen passen w\u00fcrde, ihn aber als zugewandten Menschen erlebt. Der Landesbischof habe als Pfarrer die Arbeit mit sozial Schwachen aufgebaut und f\u00fcr einen Glockenturm geworben und Spenden gesammelt.&#8220; Die Leute dort seien skeptischer als auf dem Dorf. &#8222;Rentzing schaffte es, alle zu \u00fcberzeugen, seine St\u00e4rke ist, Leute mitzunehmen.&#8220; In Annaberg erlebte Rentzing, wie ein Teil der Leute zu Pegida nach Dresden fuhr und der andere zur Gegendemo. Es gebe fast alle Fl\u00fcgel der evangelischen Kirche in Annaberg, sagt Pfarrer Loderst\u00e4dt. Liberale, Konservative, Evangelikale.<\/p>\n<p>Je nach Absender klingt das ganz anders. Aus dem Bezirk ist auch zu h\u00f6ren, dass Liberale eine absolute Minderheit seien und den Mund hielten, um nicht aufzufallen. Die Ausgrenzung lauere \u00fcberall. Zu gro\u00df ist das Risiko, zur Zielscheibe zu werden, wenn man das \u00f6ffentlich sage. Von fundamentalistischen Extrempositionen ist die Rede, die sich in politischen Ansichten niederschl\u00fcgen, gerade unter Evangelikalen und Freikirchlern, die vor der gro\u00dfen weiten Welt Angst h\u00e4tten, die immer gr\u00f6\u00dfer zu werden scheint. Egal ob es um Fl\u00fcchtlinge oder Homosexuelle geht.<\/p>\n<p>F\u00fcr Evangelikale ist die Bibel die absolut wichtigste Lebens- und Glaubensgrundlage. Sie geh\u00f6ren verschiedenen Gruppierungen an &#8211; reformiert, lutherisch, baptistisch, methodistisch, anglikanisch &#8211; und richten sich oft gegen liberale Lebensentw\u00fcrfe. Den Wertepluralismus, ein Kennzeichen heutiger Demokratien, interpretieren sie eher als Orientierungslosigkeit. Sachsen ist eine ihrer Hochburgen, im Vogtland, Erzgebirge und in Teilen der Lausitz. &#8222;Im Erzgebirge und Vogtland sind die Berge ja ziemlich hoch und der Horizont ist kurz&#8220;, sagt ein Funktionstr\u00e4ger. Problematisch sei der demografische Verlust, es fehle seit Kriegsende die Durchmischung, und der Verfall der guten Sitten sei nicht nur bei Jugendlichen ausgepr\u00e4gt, sondern auch bei den Alten, die zu Pegida gingen. &#8222;Wenn wir das nicht lernen, fliegt uns der Laden hier um die Ohren &#8211; nicht nur innerkirchlich, sondern in der ganzen Gesellschaft.&#8220;<\/p>\n<p>Die Evangelikalen w\u00fcrden gar nicht richtig an die Landeskirche andocken, seien aber auf das Geld angewiesen. Nur gemeinsam kann so viel eingenommen werden, dass 800 Pfarrerinnen und Pfarrer, 500 Gemeindep\u00e4dagogen und 300 Kirchenmusiker bezahlt werden k\u00f6nnen, dazu 140 Kinderg\u00e4rten und Schulen und der Erhalt von 1.600 Kirchen und Kapellen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die meisten Christen in Sachsen ist klar: Die Causa Rentzing ist nur ein Puzzlest\u00fcck eines lange schwelenden Grundkonflikts in der Landeskirche. Eines Konflikts zwischen unterschiedlichen Fr\u00f6mmigkeitsvorstellungen, zwischen der eher liberalen Bibelsauslegung in der alten Handelsstadt Leipzig und den Knochenkonservativen auf den K\u00e4mmen des Erzgebirges.<\/p>\n<p>Vor etwa zehn Jahren brach der uralte Konflikt f\u00fcr alle sichtbar auf. Damals waren es die Konservativen, die Altbischof Jochen Bohl angingen. Infolge des 2001 in Kraft getretenen Lebenspartnerschaftsgesetzes hatte die Evangelische Kirche Deutschlands den Weg freigemacht f\u00fcr ein neues Pfarrerdienstrecht. Homosexuelle Lebenspartner von Priestern sollten mit ins Pfarrhaus einziehen k\u00f6nnen. Die s\u00e4chsische Landeskirche hatte das 2001 ihren Pfarrern noch verboten und damit die Bibel-Fundamentalisten kurzzeitig befriedet.<\/p>\n<p>Als das Dienstrecht 2012 auch in Sachsen ge\u00e4ndert werden sollte, war Rentzing noch einer der Wortf\u00fchrer der Gegenbewegung. Sein Kirchenvorstand hatte zuvor die &#8222;Markersbacher Erkl\u00e4rung&#8220; unterzeichnet, die darauf bestand, dass &#8222;eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt werden darf, weil die dem Wortlaut der Bibel angeblich widerspr\u00e4che. Aus dem Kreis dieser Evangelikalen entstand im Januar 2012 die S\u00e4chsische Bekenntnis-Initiative, in der sich gut ein F\u00fcnftel aller Landeskirchen-Gemeinden zusammentat, 30 weitere evangelische Institutionen und mehr als 600 Einzelpersonen.<\/p>\n<p>Ein Kompromiss der Landeskirche sah vor, dass ein homosexuelles Paar im Pfarrhaus zusammen leben kann, wenn der Kirchenvorstand einm\u00fctig zustimmt. Selbst das war f\u00fcr die Konservativen zuviel. 2016 mussten die Evangelikalen den n\u00e4chsten R\u00fcckschlag hinnehmen: Die Landeskirche unter Bischof Rentzing erm\u00f6glichte erstmals die Segnung von Homosexuellen im Gottesdienst, aber eine Trauung blieb verboten, Rentzing sprach sich dagegen aus.<\/p>\n<p>Am Ende, sagt der Erlbacher Pfarrer Dechert, gehe es darum, im Gespr\u00e4ch zu bleiben, auch mit Rechten. &#8222;Menschen ver\u00e4ndern geht nur, wenn man mit ihnen spricht.&#8220; So habe er Rentzing verstanden &#8211; immer noch einen Zugang zu Menschen zu haben.<\/p>\n<p>So kontr\u00e4r die Positionen in der Landeskirche sind, so viel Gespr\u00e4chsbedarf gibt es nach Rentzings R\u00fccktritt. Vielen d\u00e4mmert, dass die gesellschaftliche Spaltung &#8211; \u00fcber Jahre befeuert von rechts &#8211; schon l\u00e4nger in der evangelischen Kirche angekommen ist, als den meisten lieb ist. Einige sehen schon die Kirchenspaltung aufziehen, stehen aber auch einer Einigung kritisch gegen\u00fcber, die den Preis habe, alles unter den Tisch zu kehren. &#8222;Wenn wir es als Christen nicht schaffen, uns an einen gemeinsamen Tisch zu setzen und gemeinsam das Gebet zu sprechen, dann brauchen wir keine Landeskirche mehr.&#8220;<\/p>\n<p>Mitarbeit: Ulrich Wolf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 29.10.2019 Unruhe im Gotteshaus Evangelische Gemeinden sind nach dem R\u00fccktritt von Landesbischof Carsten Rentzing in Aufruhr. Es geht um mehr als ein paar alte rechtslastige Texte. Von Tobias Wolf (Text und Foto) Es ist mucksm\u00e4uschenstill. 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