{"id":712,"date":"2019-02-09T21:54:17","date_gmt":"2019-02-09T19:54:17","guid":{"rendered":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=712"},"modified":"2021-12-18T19:54:31","modified_gmt":"2021-12-18T17:54:31","slug":"das-ende-einer-illusion-saechsische-zeitung-seite-3-09-02-2019","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=712","title":{"rendered":"&#8222;Das Ende einer Illusion&#8220; &#8211; wie die Basis sich entt\u00e4uscht  von einer immer extremer agierenden AfD abwendet, S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 09.02.2019"},"content":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 09.02.2019<\/p>\n<h1>Das Ende einer Illusion<\/h1>\n<h4>Nach einem Parteitag in Ostsachsen brodelt es in der AfD an der Nei\u00dfe. Die Ersten an der Basis treten aus, weitere k\u00f6nnten folgen. Wer sind die Entt\u00e4uschten und was treibt sie an?<\/h4>\n<p>Von Tobias Wolf, Thomas Mielke, Sebastian Beutler und Gregor Becker<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wolftobias.com\/?attachment_id=713\" rel=\"attachment wp-att-713\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-713\" src=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-02-09-S3-AfD-Das-Ende-einer-Illusion-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-02-09-S3-AfD-Das-Ende-einer-Illusion-150x150.jpg 150w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-02-09-S3-AfD-Das-Ende-einer-Illusion-160x160.jpg 160w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-02-09-S3-AfD-Das-Ende-einer-Illusion-240x240.jpg 240w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-02-09-S3-AfD-Das-Ende-einer-Illusion-60x60.jpg 60w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/2019-02-09-S3-AfD-Das-Ende-einer-Illusion-184x184.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Er hat seine politischen Tr\u00e4ume zerrissen. Olaf Forker h\u00e4lt die Reste seines AfD-Mitgliedsausweises in den H\u00e4nden. Erst 2017 war er in die Partei eingetreten, jetzt ist er schon wieder drau\u00dfen. Kurzentschlossen. Ausl\u00f6ser war der Kreisparteitag vor rund drei Wochen in Niesky. Auf dem Programm stand die K\u00fcr der AfD-Landtagskandidaten f\u00fcr die Wahlkreise 57 bis 60 im Landkreis G\u00f6rlitz. Danach war von Postengeschacher die Rede, von Dem\u00fctigungen, von Machtspielen, gar von Wahlmanipulationen. Vom Versuch einer Gruppe, die dem rechten &#8222;Fl\u00fcgel&#8220; um den Th\u00fcringer Bj\u00f6rn H\u00f6cke zuzurechnen sei, die Aufstellung der Kandidaten f\u00fcr eine Neumischung des F\u00fchrungsteams zu nutzen. Unbestritten ist: Etwas ist schiefgelaufen, die Kandidatenk\u00fcr soll im M\u00e4rz wiederholt werden.<\/p>\n<p>Der 57-j\u00e4hrige Forker, Fliesenleger von Beruf, fokussiert seinen \u00c4rger auf den Kreisvorsitzenden Tino Chrupalla. Es ist jener Mann, der sich bei der Bundestagswahl 2017 nahezu sensationell gegen den jetzigen s\u00e4chsischen Ministerpr\u00e4sidenten Michael Kretschmer durchsetzte und ihm dessen sicher geglaubtes Bundestagsmandat abluchste. Nun lieb\u00e4ugelt Chrupalla selbst mit dem Amt des s\u00e4chsischen Regierungschefs, im Vogtland will die AfD an diesem Wochenende dar\u00fcber entscheiden. &#8222;Chrupalla ist jedes Mittel recht, seine treuen Parteisoldaten und Drahtzieher in den Landtag zu dr\u00fccken, damit seine Majest\u00e4t ungehindert den Thron in Besitz nehmen kann&#8220;, sagt Forker.<\/p>\n<p>Er sitzt am Esstisch in seinem Haus in Seifhennersdorf. Vor f\u00fcnf Jahren ist er mit der Familie von Dresden in die Kleinstadt gezogen. Weil seine Frau aus Tschechien stammt, wollten sie direkt an die Grenze. Forker spricht ihre Sprache, sie seine. &#8222;Ich habe nie mitgemacht, wenn die AfD gegen Schengen gewettert hat, weil wir die offenen Grenzen brauchen&#8220;, sagt er. &#8222;Das ist unser Leben mit unseren Nachbarn.&#8220; Wegen seiner Frau habe es Probleme mit anderen Parteimitgliedern gegeben, behauptet er. &#8222;Mir wurde gesagt, dass man sich meinen Familienhintergrund genau angucken will.&#8220; Ein anderes Mal sei er von angeblichen Parteifreunden beschimpft worden, als er im Namen der AfD am 8. Mai am Gedenkstein beim Rathaus einen selbst gekauften Kranz niederlegte. &#8222;Ich wollte nur der Opfer des Faschismus gedenken, seither bin ich f\u00fcr die eine linke Ratte.&#8220;<\/p>\n<p>Dabei sieht sich Forker als jemanden, der Seifhennersdorf im Blick hat, der f\u00fcr den Ort etwas schaffen will, aber nie eine Parteikarriere angestrebt hat. Er habe mithelfen wollen, Niedergang und Einwohnerschwund aufzuhalten und junge Leute anzulocken. Fr\u00fcher sei er bei den Linken gewesen, doch die h\u00e4tten gemeinsam mit der CDU im Stadtrat den Abriss des Kinos durchgesetzt. &#8222;Das hat mich entt\u00e4uscht, auch deshalb bin ich bei den Linken aus- und in die AfD eingetreten.&#8220; Die h\u00e4tten dann aber immer nur von Fl\u00fcchtlingen geredet, die gibt es hier aber kaum. Leider habe er feststellen m\u00fcssen, dass es auch der Alternative f\u00fcr Deutschland nicht um die gute Sache gehe, sondern um Macht und Geld, &#8222;um Posten im Landtag, wo man richtig viel verdient&#8220;. Was die Basis wolle, interessiere niemanden im Kreisvorstand.<\/p>\n<p>Der Mitgliedsausweis in Schnipseln &#8211; er ist das Symbol f\u00fcr eine geplatzte Illusion. &#8222;Was im Kreisverband passiert, kann ich nicht mehr mittragen&#8220;, sagt Forker. &#8222;Wir haben hier eine Situation, die schlimmer ist als in der DDR.&#8220; Er berichtet von Probeabstimmungen, die es vor dem Kreisparteitag gegeben haben soll, um Chrupallas Leute auf die Kandidatenposten zu hieven. Niesky soll mit Kalk\u00fcl ausgew\u00e4hlt worden sein, damit Mitglieder aus dem S\u00fcden des Landkreises m\u00f6glichst weit anreisen m\u00fcssten. Forker findet es auch seltsam, dass einige von Chrupalla favorisierte Bewerber kein aktuelles polizeiliches F\u00fchrungszeugnis vorlegen konnten, obwohl sie seit Monaten gewusst h\u00e4tten, dass das Pflicht ist. &#8222;Wer wei\u00df, warum.&#8220;<\/p>\n<p>Der so gescholtene Bundestagsabgeordnete will sich zu den Vorw\u00fcrfen nicht \u00e4u\u00dfern. Er sei dazu aus terminlichen Gr\u00fcnden nicht in der Lage, der Landesparteitag im Vogtland erfordere &#8222;umfangreiche Vorbereitungen&#8220;. Chrupalla verweist stattdessen auf ein Interview, das er der Lausitzer Rundschau gegeben hat. Darin betont er, es gebe im Kreisverband weder Reichsb\u00fcrger noch Mitglieder, die der vom Verfassungsschutz \u00fcberwachten Identit\u00e4ren Bewegung nahest\u00fcnden. Basismitglieder, die aus Angst vor Racheakten anonym bleiben wollen, sagen \u00fcbereinstimmend, dass es sehr wohl Regionalgruppen gebe, in denen rechtsradikale Mitglieder keinen Hehl aus ihrer Gesinnung machten. Und die in Chatgruppen angebliche Bilder des Islamischen Staats teilen, auf denen Menschen am Galgen zu sehen sind. Der Kommentar dazu: &#8222;islamistisches Windspiel&#8220; .<\/p>\n<p>Aufgrund der Berichte in der S\u00e4chsischen Zeitung \u00fcber den Nieskyer Kreisparteitag hatte Chrupalla &#8222;in enger Abstimmung mit dem Landesvorstand&#8220; einen Brief an die Mitglieder zum Umgang mit Medienvertretern geschickt. Darin schreibt er von einer &#8222;Spaltungs- und Zersetzungsstrategie&#8220; der Medien und von Feindpropaganda. Begriffe, die schon Nationalsozialisten und die Stasi verwendeten. Zudem ist von einer schwarzen Liste f\u00fcr &#8222;unseri\u00f6se Journalisten&#8220; die Rede. Man kenne das Spiel bereits aus der DDR, schreibt Chrupalla. Er selbst war beim Fall der Mauer erst 14 Jahre alt. &#8222;Tricks von fr\u00fcher&#8220; und Informationen \u00fcber &#8222;als Journalisten getarnte Zersetzungsagenten&#8220; seien willkommen. Interviews sollten nur Kreisvorst\u00e4nde geben, die Basis solle schweigen. Olaf Forker empfindet das als Maulkorb. &#8222;Es wird weitere Austritte geben. Ich wei\u00df von um die 20 Leuten, die die Schnauze voll haben.&#8220;<\/p>\n<p>Einer von ihnen ist neben Forker der Hotelier Conrad Siebert aus Oybin. Auch er hatte in der AfD so etwas wie die letzte Hoffnung gesehen. Ein Mittel gegen eine eingefahrene Politik. Bis 2015 war der 37-J\u00e4hrige mit B\u00fcrstenhaarschnitt und Kinnbart Chef des CDU-Gemeindeverbands &#8222;Zittauer Gebirge&#8220;. Er war Zeitsoldat bei der Luftwaffe, &#8222;mit Leib und Seele&#8220;. Die von seiner fr\u00fcheren Partei mitgetragene Entscheidung, die Wehrpflicht abzuschaffen, h\u00e4lt er &#8222;f\u00fcr das Schlimmste f\u00fcr die gesellschaftliche Entwicklung&#8220;. Die jungen Leute seien geerdet worden, h\u00e4tten im Zivildienst soziale Probleme kennengelernt oder bei der Bundeswehr erlebt, &#8222;dass man sich f\u00fcr das Gemeinwesen auch mal anpassen und unterordnen muss&#8220;.<\/p>\n<p>Schon am Nachmittag ist in seinem Hotel, das er gemeinsam mit seiner Frau f\u00fchrt, f\u00fcr das Fr\u00fchst\u00fcck eingedeckt. Handbeschriebene Schiefert\u00e4felchen liegen auf den Tischen, versehen mit einem Morgengru\u00df und den Namen der G\u00e4ste. Liebe zum Detail und Ordnung sind Siebert wichtig. Er engagiert sich seit Jahren als Gemeinderat. Mit dem B\u00fcrgermeister von der SPD duzt er sich. Siebert gilt in Oybin als integer, als einer, der etwas bewegen will und keine Ambitionen auf hohe \u00c4mter hat. Einer, der auch im Streit den Anstand wahrt. &#8222;Demokratie lebt von Kompromissen&#8220;, sagt er. &#8222;1990 kamen fast alle Landtagsabgeordneten aus der Mitte der Gesellschaft.&#8220; Handwerker, Unternehmer, Angestellte. &#8222;Irgendwann z\u00e4hlte in der CDU aber nur noch der, der den Aufstieg schaffte in jene Parteiriegen, in denen man auch Mandate erlangen kann.&#8220; Siebert verlie\u00df die Christdemokraten, weil er das Gef\u00fchl hatte, politisch unbequeme B\u00fcrgerinteressen w\u00fcrden unter den Tisch gekehrt. Er \u00e4rgert sich \u00fcber die Landkreisreform, &#8222;dieses Kunstgebilde&#8220;. Die Autofahrt von Nord nach S\u00fcd dauert zwei Stunden. Das finde kaum Akzeptanz, sagt Siebert, zumal die landsmannschaftlichen Unterschiede zwischen Oberlausitzern und Niederschlesiern zu gro\u00df seien. &#8222;Die gr\u00f6\u00dferen Strukturen sollen zwar kosteng\u00fcnstiger sein, aber die Kreisumlage f\u00fcr die Kommunen steigt immer mehr.&#8220; Das Geld fehle vor Ort.<\/p>\n<p>Mit dem Eintritt in die AfD wollte er seinerzeit ein Zeichen setzen gegen solche Entwicklung. Zudem seien mit dieser Partei &#8222;wieder viele aus der Mitte gekommen&#8220;, sagt Siebert. Er hoffte auf eine Entwicklung wie in einer gem\u00e4\u00dfigten CSU, er wollte eine Partei unterst\u00fctzen, um sie koalitionsf\u00e4hig zu machen. Etwa beim Thema Einwanderungsgesetz. Siebert pr\u00e4feriert das kanadische Modell, mit Punktesystem f\u00fcr qualifizierte Migranten. Das steht auch im AfD-Programm. Er habe \u00fcber das Thema bei einer Runde mit vier Bundestagsabgeordneten der Partei geredet, darunter auch dem Abgeordneten Karsten Hilse aus Bautzen. Der habe sinngem\u00e4\u00df geantwortet, bevor man \u00fcber ein Einwanderungsgesetz rede, m\u00fcsste man erst einmal \u00fcber &#8222;Minuszuwanderung&#8220; sprechen. Minuszuwanderung? In der Sprache der AfD seien das wohl Abschiebungen, vermutet Siebert. Hilse habe daf\u00fcr viel Applaus bekommen.<\/p>\n<p>Forker und Siebert sind nicht die Einzigen, die vor Chrupallas Aufstieg vom Malermeister aus Gablenz zum Bundestagsabgeordneten in Berlin und potenziellen Ministerpr\u00e4sidentenkandidaten in Sachsen zur Basis der Kreis-AfD geh\u00f6rten. &#8222;Momentan macht sich Rechtsradikalismus breit&#8220;, sagt ein weiterer AfD-Mann, der anonym bleiben will. &#8222;Wenn ich an die Parteitagsreden denke, kr\u00fcmmen sich mir die Fu\u00dfn\u00e4gel.&#8220; Begriffe wie in Chrupallas Brief seien da gefallen. Ein Redner habe gefordert, das Getriebe des Staates m\u00fcsse v\u00f6llig zum Stillstand gebracht werden. &#8222;Dass die AfD so im Fokus steht, kommt nicht von ungef\u00e4hr, und das sage ich als treues Mitglied.&#8220; Auch den Umgang Chrupallas mit der Presse lehnt der Mann ab. &#8222;Wenn ich will, dass berichtet wird, muss ich auch Kritik ertragen k\u00f6nnen.&#8220; Er denke nun auch \u00fcber einen Austritt nach.<\/p>\n<p>Diesen Schritt will der einst erste Vorsitzende des AfD-Kreisverbands in G\u00f6rlitz derzeit nicht tun. Frank Gro\u00dfmann hei\u00dft der Mann, er geh\u00f6rt zu den Mitgr\u00fcndern der Partei im Landkreis und z\u00e4hlt inzwischen zu den heftigsten parteiinternen Kritikern Chrupallas. &#8222;Die eurokritische Basis gibt es nicht mehr und die guten Leute gehen&#8220;, sagt Gro\u00dfmann. Chrupalla trete autorit\u00e4r auf, &#8222;von wegen mehr Demokratie und Mut zur Wahrheit&#8220;. Der G\u00f6rlitzer Kleinunternehmer, ein ehemaliges SPD-Mitglied, sieht in Chrupalla gar einen &#8222;kleinen Napoleon&#8220;. &#8222;Der braucht die Typen, die ihm huldigen, dann werden die von ihm belohnt und protegiert.&#8220;<\/p>\n<p>Am vergangenen Dienstagabend gab es die erste AfD-Versammlung nach dem Debakel von Niesky. Statt der von Gro\u00dfmann angebotenen Aussprache kam es zum Showdown mit Chrupalla. &#8222;Ich wurde von Chrupalla aus allen seinen Parteiveranstaltungen ausgeschlossen&#8220;, sagt Gro\u00dfmann. Ein Austritt komme f\u00fcr ihn dennoch nicht infrage. &#8222;Vielleicht haben wir irgendwann bessere Leute, wenn die jetzigen mit ihren ertr\u00e4umten 30 Prozent plus X bei der Landtagswahl auf die Schnauze gefallen sind.&#8220; Gro\u00dfmann wird f\u00fcr diese Wahl nicht kandidieren, weil Chrupalla beim Kreisparteitag andere Mitglieder aufgefordert haben soll, nicht f\u00fcr ihn zu stimmen. &#8222;Das ist undemokratisch.&#8220; Zu diesem Vorwurf will sich der Bundestagsabgeordnete ebenfalls aus Zeitgr\u00fcnden nicht \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Auch auf Facebook und in Chatgruppen tobt die Diskussion zwischen Chrupalla-Fans und Kritikern, zwischen Radikalen und Gem\u00e4\u00dfigten schon l\u00e4nger. Es geht um Hetze gegen Ausl\u00e4nder, von Trittbrettfahrern ist die Rede, von &#8222;Zu-Kurz-Gekommenen&#8220;, von &#8222;Nazi-Schweinen&#8220;, die sich in der Partei breit machten, von &#8222;sehr wenigen, die ihre zu erwartenden dicken Di\u00e4ten schon im Vorfeld verplant haben&#8220;. Einer von Chrupallas Vertrauten schreibt \u00fcber Strategie und Taktik und bestimmte W\u00e4hlergruppen, &#8222;die allesamt Stimmvieh sein k\u00f6nnen&#8220;.<\/p>\n<p>F\u00fcr Fliesenleger Forker steht fest: Er will auch ohne AfD-Mitgliedschaft lokalpolitisch weitermachen und zur Stadtratswahl antreten. Die stillgelegte Bahnverbindung ist sein Thema. &#8222;Es geht um 500 Meter Gleis, die sollten sich was sch\u00e4men. Unsere alten Leute kommen deshalb nicht einmal mehr von Seifhennersdorf nach Zittau.&#8220; Er setzt seine Hoffnung wieder in die etablierten Parteien. &#8222;Wir brauchen vern\u00fcnftige Politiker, keine Schreih\u00e4lse.&#8220; Wenn die CDU den Warnschuss nicht verstanden habe, stehe in Zukunft nicht mehr nur die AfD als Gegner da. &#8222;Es w\u00e4re doch f\u00fcr den Ministerpr\u00e4sidenten nur ein Fingerschnipsen, die 500 Meter Gleis zu aktivieren.&#8220; Der Kretschmer k\u00f6nnte mal konkreter werden, sagt Forker, mehr Aufbruchstimmung erzeugen. &#8222;Ich will, dass meine Kinder hierbleiben und fortf\u00fchren, was meine Frau und ich angefangen haben.<\/p>\n<p>Hotelier Siebert kann sich mit dem AfD-Programm noch identifizieren, aber nicht mehr mit den Funktionstr\u00e4gern und ihrer Politik. &#8222;Ich werde doch in Generalhaftung genommen, wenn der H\u00f6cke in Dresden als v\u00f6lkischer Egozentriker auftritt. Dann bin ich doch hier in Oybin auch gleich ein kleiner H\u00f6cke.&#8220; Dabei sei doch klar: Ein Geschichtslehrer k\u00f6nne kein Fachmann f\u00fcr die Zukunft sein. Und im Kreisverband soll man lieber nicht \u00fcber die fr\u00fchere AfD-Vorsitzende Frauke Petry reden. &#8222;Dabei war die wenigstens ehrlich in Bezug auf eigene Ambitionen, Koalitionsf\u00e4higkeit und \u00c4mter, hart in der Sache, aber sachlich im Ton.&#8220; Das sehe er bei Chrupalla nicht.<\/p>\n<p>Was das im Kreisverband ablaufe, &#8222;das erinnert mich daran, was in den so genannten Altparteien gang und g\u00e4be ist&#8220;. Siebert hat etwas gegen das \u00dcberst\u00fclpen gro\u00dfer Ideen, ohne die Menschen zu fragen. Weder im Gro\u00dfen wie bei der Euro-Einf\u00fchrung, noch im Kleinen wie bei der gescheiterten Fusion von Krauschwitz mit Bad Muskau. Es kam zum B\u00fcrgerentscheid, die Idee fiel durch, der Katzenjammer folgte unmittelbar. &#8222;Respekt vor diesem Entscheid der B\u00fcrger hie\u00dfe, wenn Politiker hinterher nicht sagen w\u00fcrden: ,Dann m\u00fcssen wir jetzt damit leben\u2018, sondern ,dann m\u00fcssen wir in die H\u00e4nde spucken und was draus machen\u2018.&#8220; Siebert will wieder f\u00fcr den Gemeinderat antreten, nun ohne die AfD. Er bedauert die Entwicklung der Partei, sieht in seinem Austritt aber auch etwas Gutes. &#8222;Es gr\u00fc\u00dfen mich wieder Leute, die das eine ganze Weile nicht getan haben.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 09.02.2019 Das Ende einer Illusion Nach einem Parteitag in Ostsachsen brodelt es in der AfD an der Nei\u00dfe. Die Ersten an der Basis treten aus, weitere k\u00f6nnten folgen. Wer sind die Entt\u00e4uschten und was treibt sie an? 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