{"id":740,"date":"2020-06-26T22:23:57","date_gmt":"2020-06-26T20:23:57","guid":{"rendered":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=740"},"modified":"2021-12-18T19:49:41","modified_gmt":"2021-12-18T17:49:41","slug":"nur-eine-party-neonazis-in-pfaffendorf-saechsische-zeitung-seite-3-26-06-2020","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=740","title":{"rendered":"&#8222;Nur eine Party?&#8220; Neonazis in Pfaffendorf\/S\u00e4chsische Schweiz, S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 26.06.2020"},"content":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 26.06.2020<\/p>\n<h1>Nur eine Party?<\/h1>\n<h4>Am M\u00e4nnertag wurden in Pfaffendorf Polizisten angegriffen. Entsteht dort in der S\u00e4chsischen Schweiz eine neue Neonazi-Szene? Eine Spurensuche.<\/h4>\n<p>Von Tobias Wolf<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wolftobias.com\/?attachment_id=741\" rel=\"attachment wp-att-741\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-741\" src=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2020-06-26-S3-Nur-eine-Party-Neonazis-Pfaffendorf2-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2020-06-26-S3-Nur-eine-Party-Neonazis-Pfaffendorf2-150x150.jpg 150w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2020-06-26-S3-Nur-eine-Party-Neonazis-Pfaffendorf2-160x160.jpg 160w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2020-06-26-S3-Nur-eine-Party-Neonazis-Pfaffendorf2-240x240.jpg 240w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2020-06-26-S3-Nur-eine-Party-Neonazis-Pfaffendorf2-60x60.jpg 60w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2020-06-26-S3-Nur-eine-Party-Neonazis-Pfaffendorf2-184x184.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Eine schmale steile Stra\u00dfe f\u00fchrt hinauf, zur Rechten w\u00e4chst die Festung K\u00f6nigstein in den Blick, zur Linken wird eine langgezogene Sandsteinmauer immer niedriger. Eine scharfe Linkskurve, der Lilienstein ger\u00e4t in den Blick, eine noch sch\u00e4rfere Rechtskurve und Pfaffendorf ist erreicht. Das gut 600 Jahre alte Dorf ist eines der malerischsten Orte in der S\u00e4chsischen Schweiz.<\/p>\n<p>Der 21. Mai ist ein perfekter Tag f\u00fcr eine M\u00e4nnertagsparty, auch am Abend sinken die Au\u00dfentemperaturen kaum unter 18 Grad. Ein kurzer Betonplattenweg f\u00fchrt von der Hauptstra\u00dfe auf ein Grundst\u00fcck mit mehreren Geb\u00e4uden, eins hat drei Etagen und einen roten Giebel, davor ein flacher Anbau. Ein Vordergeb\u00e4ude steht quer vor dem Grundst\u00fcck, schirmt das Areal dahinter ab. Dort feiern abends gegen 20 Uhr Dutzende M\u00e4nner. Laute Musik und &#8222;Sieg Heil!&#8220;-Rufe hallen nach \u00fcbereinstimmenden Zeugenaussagen durch Pfaffendorf. Auch Touristen, die in Pfaffendorf \u00fcbernachten, h\u00f6ren die Rufe.<\/p>\n<p>Ein Streifenwagen f\u00e4hrt nach einer Anwohnerbeschwerde wegen lauter rechtsextremistischer Musik vor, die Beamten warten zun\u00e4chst auf Verst\u00e4rkung. Ein paar Minuten sp\u00e4ter sind die Beamten zu zehnt. Beim Versuch, das Gel\u00e4nde zu betreten werden sie von mindestens 20 Personen unvermittelt angegriffen, wird die Polizei sp\u00e4ter mitteilen. Die Tatverd\u00e4chtigen seien extrem aggressiv aufgetreten.<\/p>\n<p>Gl\u00e4ser und weitere Gegenst\u00e4nde fliegen. Unter &#8222;Sieg Heil&#8220; Rufen bedrohen die M\u00e4nner die Polizisten mit Holzlatten und Stahlrohren. Die Beamten ziehen sich zur\u00fcck, eine halbe Stunde sind weitere Einheiten von Bereitschaftspolizei, Bundespolizei und Landeskriminalamt vor Ort, rund 120 Beamte. Die meisten &#8222;Partyg\u00e4ste&#8220; haben die Gelegenheit zur Flucht nicht genutzt, obwohl sie wissen m\u00fcssen, was nun kommt. Und, obwohl im Vordergeb\u00e4ude offenbar eine Art Neonazi-Klubraum eingerichtet ist, der in der Folge enttarnt wird.<\/p>\n<p>&#8222;Die k\u00f6nnen doch nicht davon ausgehen, dass die mit der Polizei so ein Scharm\u00fctzel gewinnen k\u00f6nnen, vor allem, weil nicht alle total besoffen gewesen sein sollen&#8220;, sagt ein Beobachter der Szene. &#8222;Diese Typen sind doch Profis und haben genug Erfahrung mit Polizei und Gerichten.&#8220;<\/p>\n<p>Die Gegend stand in der Vergangenheit schon im Fokus von Rechtsextremisten der 2011 verbotenen Skinheads S\u00e4chsische Schweiz (SSS). 15 Jahre lang schien Ruhe eingekehrt, aber seit dem M\u00e4nnertag besch\u00e4ftigt Sicherheitsbeh\u00f6rden die Frage: W\u00e4chst hier unbeobachtet eine neue Neonazi-Szene heran oder sind alte Bekannte wieder am Werk?<\/p>\n<p>Von den 30 Festgenommenen in Pfaffendorf sind mindestens die H\u00e4lfte schon einmal durch politisch rechts motivierte Kriminalit\u00e4t strafrechtlich aufgefallen, vier von ihnen entpuppen sich als Ex-SSS-Mitglieder, so CDU-Innenminister Roland W\u00f6ller in einer Antwort auf die Anfrage der Landtagsabgeordneten Kerstin K\u00f6ditz (Linke). Zum Beispiel der Bewohner des Grundst\u00fccks Lars U. 1996 waren die Skinheads S\u00e4chsische Schweiz von ehemaligen Mitgliedern der 1994 verbotenen rechtsextremistischen Wiking-Jugend gegr\u00fcndet worden. 2001 verbot der damalige s\u00e4chsische Innenminister Klaus Hardraht die SSS.<\/p>\n<p>Gegen den 39-j\u00e4hrigen gelernten Maurer U. wurde in der Vergangenheit dutzendfach ermittelt, unter anderem wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung, Bedrohung, Haus- und Landfriedensbruch, Volksverhetzung, Verbreitung von Propagandamitteln und Verwenden von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen.<\/p>\n<p>Lars U. war 2015 bei mindestens einer Demonstration der &#8222;Hooligans gegen Salafisten&#8220; dabei, die ein Jahr zuvor in massive Ausschreitungen gem\u00fcndet war, &#8222;um mir das mal anzugucken&#8220;. 2018 schloss er sich nach eigenen Angaben dem &#8222;Trauermarsch&#8220; der AfD nach Ausschreitungen in Chemnitz an &#8211; mit Tausenden Rechtsextremisten aus dem ganzen Bundesgebiet. Anwohner beschreiben Lars U. als weitgehend unauff\u00e4llig. &#8222;Der ist in einem gewissen Alter, kennt gewisse Leute, die trinken mal ein Bier zusammen, das macht man auf dem Land so.&#8220;<\/p>\n<p>Ex-SSS-Kader Nummer zwei bei der Herrentagsfeier ist Enzo K., nach Angaben U.s ein alter Schulfreund. Gegen ihn wurde in der Vergangenheit unter anderem wegen Versto\u00dfes gegen das Waffen- und das Sprengstoffgesetz, gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung, Volksverhetzung und der Teilnahme an Neonazikonzerten ermittelt. Derlei Veranstaltungen soll er bis heute besuchen. Ermittler sahen ihn am 27. August 2018 bei einer Demonstration und den folgenden Ausschreitungen in Chemnitz nach dem Tod von Daniel H. beim Stadtfest.<\/p>\n<p>Franco H., ebenfalls Ex-SSS-Mitglied und Protagonist einer stattlichen Ermittlungsakte, war zuletzt bei einem Neonazikonzert 2019 in Pirna aufgefallen. Dirk S., seinerzeit ebenfalls zum inneren Kreis der SSS z\u00e4hlend, ist der einzige der vier, der den Beh\u00f6rden schon l\u00e4nger nicht mehr aufgefallen ist. Nur was sagt das \u00fcber die potenzielle Gef\u00e4hrlichkeit der M\u00e4nner aus?<\/p>\n<p>Sicherheitsbeh\u00f6rden gehen davon aus, dass sich viele Angeh\u00f6rige der rechtsextremen Szene &#8222;Pausen&#8220; g\u00f6nnen w\u00fcrden, Familien gr\u00fcnden, Kinder bekommen. Manche haben Bau- oder Montage-Firmen er\u00f6ffnet wie Dirk S., Lars U und Enzo K. Teils seien inzwischen schon die Kinder der alten SSS-Kader aktiv in der Neonaziszene. Derlei &#8222;Pausen&#8220; m\u00fcssten nichts an der Gesinnung der M\u00e4nner \u00e4ndern, wie der Fall Stephan E. zeigt. E. war \u00fcber zehn Jahre vom Radar der Sicherheitsbeh\u00f6rden verschwunden und hatte dann im Juni 2019 den Kasseler Regierungspr\u00e4sidenten Walter L\u00fcbcke erschossen.<\/p>\n<p>Die Mehrheit der &#8222;Partyg\u00e4ste&#8220; an jenem Herrentag ist Mitte Drei\u00dfig, der j\u00fcngste 30, der \u00e4lteste, Jens K., 54 Jahre alt. K. gilt als internationaler Strippenzieher bei Neonazikonzerten in ganz Europa, soll in Deutschland aber kaum in Erscheinung treten, was ihn offenbar bisher vor Strafverfolgung gesch\u00fctzt hat.<\/p>\n<p>Teils kommen sie aus der S\u00e4chsischen Schweiz, teils reisten sie aus Dresden oder Glash\u00fctte an. Mindestens einer soll Kontakte zur Freien Kameradschaft Dresden gehabt haben, die vom Landgericht Dresden 2018 als kriminelle Vereinigung eingestuft wurde, Mitgliedern wurde unter anderem gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung und Herbeif\u00fchren von Sprengstoffexplosionen vorgeworfen. Bei manchen einschl\u00e4gigen &#8222;Partyg\u00e4sten&#8220; liegen die letzten Ermittlungsverfahren schon ein paar Jahre zur\u00fcck, andere tauchten zuletzt beim Schild&amp;Schwert-Festival des Neonazis Thorsten Heise 2018 in Ostritz auf.<\/p>\n<p>Unter den 30 Festgenommenen k\u00f6nnten durchaus noch mehr Extremisten sein, die aber wie im Fall L\u00fcbcke wegen gesetzlicher L\u00f6schungsfristen nicht mehr aktenkundig sein m\u00fcssen. Ein mit den \u00f6rtlichen Verh\u00e4ltnissen Vertrauter sagt: &#8222;Die Polizei h\u00e4tte vielleicht nur einen Ordnungsgong verteilt, wenn nicht gleich braune Spr\u00fcche gekommen und randaliert worden w\u00e4re. Ich bin mir sicher, dass die gesamte S\u00e4chsische Schweiz mit solchen &#8222;Feier-Immobilien&#8220; \u00fcbers\u00e4t ist.&#8220; Neonazis bewegten sich im Landkreis in einem Sozialraum, in dem sich viele \u00fcber den Beruf, die Freizeit oder Vereine kennen w\u00fcrden &#8211; auch Menschen, die eigentlich keine Extremisten seien.<\/p>\n<p>&#8222;Es ist ja nicht grundlos, warum extremistische Parteien dort die Wahlergebnisse bekommen, die sie bekommen.&#8220; Die b\u00fcrgerliche Schicht sei sehr d\u00fcnn. In kleinen Orten gebe es Gruppen, die eine gemeinsame rechte Weltanschauung h\u00e4tten. &#8222;Die SSS-Leute sind alle noch da, aber seit dem Verbot gibt es nur noch lose Gruppen.&#8220;<\/p>\n<p>Mittlerweile sei auch unter Neonazis Wissen verbreitet, was gesetzlich gerade noch geht und was nicht. Einschl\u00e4gige Zeitungen und Zeitschriften w\u00fcrden eine Art Rechtsberatung geben nach dem Motto: &#8222;Ihr k\u00f6nnt euch in eure Hakenkreuzbettw\u00e4sche kuscheln, solltet sie aber nicht dem Nachbarn zeigen, indem ihr sie im Hof zum Trocknen aufh\u00e4ngt. Und beim Auflegen der ,Lieblingsmusik\u2018 am besten die Fenster zumachen. Das wissen die alles.&#8220;<\/p>\n<p>Dass der mutma\u00dfliche Klubraum offenbar wurde, ist m\u00f6glicherweise dem Alkoholkonsum am M\u00e4nnertag geschuldet. Denn solange die T\u00fcren zu sind, bekommt niemand mit, was sich dahinter abspielt.<\/p>\n<p>Lars U. r\u00e4umt auf Nachfrage ein, dass die &#8222;Feier&#8220; auf seinem Grundst\u00fcck stattgefunden habe, aber er bestreitet, dass Polizisten angegriffen worden seien. &#8222;Es wurde lediglich geschubst.&#8220; Demnach seien keine Gl\u00e4ser geflogen, keine Angriffe mit Stahlstangen oder Zaunlatten erfolgt. &#8222;Sieg Heil!&#8220;-Rufe habe er nicht mitbekommen und der Klubraum sei seine Werkstatt. Manchmal komme aus dem Dorf jemand zum Biertrinken dorthin.<\/p>\n<ol>\n<li>sagt, es treffe zu, dass darin die Attrappe einer Stielhandgranate gefunden worden sei. Die bekomme man bei Amazon, den Wehrmachtshelm mit SS-Runen habe er bei Ebay gekauft. Eine gro\u00dfe &#8222;88&#8220; auf einer Bank habe nichts zu bedeuten, die sei beim Kauf schon dran gewesen. Die Zahl steht f\u00fcr zweimal den achten Buchstaben im Alphabet und wird unter Neonazis als Chiffre f\u00fcr &#8222;Heil Hitler!&#8220; genutzt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>In dem Raum soll es au\u00dferdem eine Uhr mit der Aufschrift &#8222;Blutzeugen&#8220;, Emaille-Schilder mit den Aufschriften &#8222;Braun&#8220;, &#8222;Volkssturm&#8220; und &#8222;K\u00f6nigreich Sachsen&#8220;, ein Eisernes Kreuz und eine SS-Plakette &#8222;Totenkopf&#8220; gegeben haben sowie Propaganda-Plakate. Er habe &#8222;ne Macke&#8220;, sammle das alles nur. &#8222;Wenn ich ein sch\u00f6nes Emailleschild von ,Freikorps 1923\u2018 sehe, kaufe ich das.&#8220; 1923 putschte Adolf Hitler gegen die Weimarer Republik. Mit nationalsozialistischer Propaganda habe das alles nichts zu tun &#8211; sagt Lars U.<\/p>\n<p>Eine Anwohnerin meint mit Blick auf U., jeder d\u00fcrfe seine Weltanschauung haben, aber alles, was mit Hitler zu tun habe, sei &#8222;nicht ihr Ding&#8220;. Auch die &#8222;Party&#8220; sei in Ordnung gewesen, bis die Polizei eingetroffen sei. Die Ausstattung des mutma\u00dflichen Neonazi-Klubraums kommentiert sie so: &#8222;Wenn die politische Orientierung in diese Richtung geht, ist das nicht super-schlimm, sondern jedem seine Sache, es wird ja vern\u00fcnftig miteinander umgegangen.&#8220;<\/p>\n<p>Ein Zimmervermieter erz\u00e4hlt, dass er zun\u00e4chst eine Schl\u00e4gerei auf dem Sportplatz vermutet habe, dann aber schnell begriffen habe, worum es wirklich geht. Ein anderer spricht von einer Katastrophe f\u00fcr Pfaffendorf. &#8222;Es ist schlimm, dass so etwas im Ort existiert.&#8220; Er erinnert sich an Silvester 2018. &#8222;Die haben mit B\u00f6llern rumgeballert und rechte Parolen gebr\u00fcllt.&#8220; Andere wollen vom Polizeieinsatz nichts mitbekommen haben, bei dem ein Hubschrauber \u00fcber dem Ort flog.<\/p>\n<p>Der Ausgang der Pfaffendorfer &#8222;Party&#8220; passt in ein Muster, das sich seit Jahren entwickelt: gezielte Gewalt gegen Polizisten von Rechtsextremisten. Experten gehen davon aus, dass Ex-SSS-Leute auch bei den Krawallen vor einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft in Heidenau 2015 dabei waren und dass sich Rechtsextremisten jetzt auch bei den Corona-Demos beteiligen, die im Landkreis S\u00e4chsische Schweiz-Osterzgebirge als sachsenweit am aggressivsten gelten.<\/p>\n<p>Neonazis verst\u00fcnden es inzwischen, sich unter besorgte B\u00fcrger, Impfgegner, Reichsb\u00fcrger und Verschw\u00f6rungsmythen-Anh\u00e4nger zu mischen. Mitte Mai seien bei solch einer Corona-Demo in Pirna in den vorderen Reihen B\u00fcrger, aber gleich dahinter ein ganzer Block Hooligans aus dem Umfeld von Dynamo Dresden sowie Rechtsextremisten gewesen, aus dem heraus Polizisten gezielt attackiert wurden.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Polizei k\u00e4men solche Eskalationen \u00fcberraschend, so ein Experte. Denn in der Neonazis-Szene wurde sie wegen der Hierarchie in der Beh\u00f6rde eher positiv gesehen. So sei bei vielen Polizisten auch das klassische Bild entstanden: &#8222;Die Rechten marschieren friedlich innerhalb der Polizeiketten&#8220;, und &#8222;die Linken machen \u00c4rger und suchen Gewalt&#8220;.<\/p>\n<p>Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz sieht das &#8222;Feindbild Polizei&#8220; seit Jahren im Aufwind, die Zahlen der \u00dcbergriffe stiegen schon seit l\u00e4ngerem. &#8222;Mit der Asylthematik von 2015 ging auch die gezielte Gewalt gegen Polizeibeamte im Einsatz los&#8220;, sagt Sprecher Martin D\u00f6ring. Den mutma\u00dflichen Klubraum werde man nun im Blick behalten. Auch der Verfassungsschutz bef\u00fcrchtet, dass es weitere solcher Treffs geben k\u00f6nnte. &#8222;Es gibt eben ein gewisses Personenpotenzial, diese Menschen haben schon immer dieselbe Weltanschauung.&#8220;<\/p>\n<p>Schon am 20. April dieses Jahres, dem Geburtstag Hitlers, erhielt Lars U. Besuch von der Polizei. Es hatte eine Beschwerde wegen lauter rechtsextremistischer Musik gegeben. U. sagt, das Datum habe nichts zu bedeuten, er sitze bei sch\u00f6nem Wetter jeden Abend am Feuer und h\u00f6re Musik. Auch im April. Er wolle seine Ruhe haben und dass Gras \u00fcber die Sache an Himmelfahrt wachse.<\/p>\n<p>Beobachter aus der Region sagen: Viele wollten ihre Neonazi-Ideologie nicht aufgeben. Eigentlich sei die Szene in den letzen 15 Jahren gut im Blick gewesen. &#8222;Aber vielleicht hat man doch nicht ganz so genau hingeguckt, weil es lange nichts mehr gab.&#8220;<\/p>\n<p>Eine Anwohnerin sagt, f\u00fcr den Tourismus sei der Polizeieinsatz in Pfaffendorf nicht gerade f\u00f6rderlich. Aber man m\u00fcsse doch mit Rechtsextremisten reden, weil deren Meinung interessant sei, egal wie sie das selbst beurteile. Vielleicht ist das mit dem Hingucken auch so schwer, weil es in der S\u00e4chsischen Schweiz Menschen gibt, die sich an Neonazis schon lange nicht mehr st\u00f6ren, die wegsehen oder das alles nicht so schlimm finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 26.06.2020 Nur eine Party? Am M\u00e4nnertag wurden in Pfaffendorf Polizisten angegriffen. Entsteht dort in der S\u00e4chsischen Schweiz eine neue Neonazi-Szene? Eine Spurensuche. Von Tobias Wolf Eine schmale steile Stra\u00dfe f\u00fchrt hinauf, zur Rechten w\u00e4chst die Festung K\u00f6nigstein in den Blick, zur Linken wird eine langgezogene Sandsteinmauer immer niedriger. 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