{"id":743,"date":"2021-02-16T09:09:45","date_gmt":"2021-02-16T07:09:45","guid":{"rendered":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=743"},"modified":"2021-12-18T19:47:29","modified_gmt":"2021-12-18T17:47:29","slug":"die-haben-alle-geschwiegen-saechsische-zeitung-seite-3-16-02-2021","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=743","title":{"rendered":"&#8222;Die haben alle geschwiegen&#8220; &#8211; Wie ein katholischer Pfarrer Kinder sexuell missbrauchte und die Gemeinde schwieg, S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 16.02.2021"},"content":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 16.02.2021<\/p>\n<h1>&#8222;Die haben alle geschwiegen&#8220;<\/h1>\n<h4>Vor 50 Jahren starb Herbert Jungnitsch. Der katholische Priester missbrauchte in Heidenau mindestens vier Kinder. Aufgearbeitet hat die Kirche den Fall bis heute nicht.<\/h4>\n<p>Von Tobias Wolf und Ulrich Wolf<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wolftobias.com\/?attachment_id=744\" rel=\"attachment wp-att-744\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-744\" src=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2021-02-16-S3-Die-haben-alle-geschwiegen-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2021-02-16-S3-Die-haben-alle-geschwiegen-150x150.jpg 150w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2021-02-16-S3-Die-haben-alle-geschwiegen-160x160.jpg 160w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2021-02-16-S3-Die-haben-alle-geschwiegen-240x240.jpg 240w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2021-02-16-S3-Die-haben-alle-geschwiegen-60x60.jpg 60w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/04\/2021-02-16-S3-Die-haben-alle-geschwiegen-184x184.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Das Grab auf dem Heidenauer S\u00fcdfriedhof wird immer noch gepflegt. Es ist bepflanzt mit einem kleinen Wacholderstrauch, mit zwei Eriken und einer Christrose. Einige Tannenzweige bedecken die Erde.<\/p>\n<p>Der nicht einmal drei Quadratmeter gro\u00dfe Flecken ist die letzte Ruhest\u00e4tte von Herbert Jungnitsch. 1898 in Breslau geboren, 1922 zum Priester geweiht, 1971 in Heidenau gestorben. &#8222;Ich lebe und ihr sollt auch leben&#8220;, steht auf seinem Grabstein aus Granit. Ein Satz aus den Abschiedsreden Jesu im Johannes-Evangelium. Ein Satz, der Hoffnung geben soll in misslichen Lebenslagen.<\/p>\n<p>Gerda Lemmer* kann dem nichts abgewinnen. Ausgerechnet Jungnitsch nahm ihr die Hoffnung auf ein unbeschwertes Leben. Der Ex-Pfarrer der Heidenauer St.-Georg-Gemeinde hat sie missbraucht. &#8222;Da gab&#8217;s die Frohe Herrgottsstunde f\u00fcr Kinder, die noch nicht in die Schule gingen&#8220;, sagt sie. &#8222;Ich war drei oder vier Jahre alt.&#8220; Sie erinnert sich an ein Dachzimmer mit einem schr\u00e4gen Fenster. Da habe sie zugucken m\u00fcssen, wie der Pfarrer zwei Jugendliche zwang, Sex zu haben. Sie selbst habe ihren Schl\u00fcpfer ausziehen und das R\u00f6ckchen hochheben m\u00fcssen. &#8222;Dabei hat der mit der Statuette der Jungfrau Maria gefuchtelt und gebetet und uns beschimpft: Ihr Verruchten.&#8220;<\/p>\n<p>Sexualisierte und k\u00f6rperliche Gewalt bis hin zu schwerem Missbrauch an mindestens vier Kindern seien &#8222;glaubhaft bekannt&#8220;, urteilt der Seelsorgerat in Heidenau. Man habe deshalb im Januar 2019 sowie im Juli 2020 &#8222;die Einebnung der Grabstelle von Pfarrer Jungnitsch&#8220; beschlossen. Dass das bislang noch nicht geschehen ist, begr\u00fcnden Gemeinde und das Bistum Dresden-Mei\u00dfen mit Corona.<\/p>\n<p>Die weiterhin geplante Einebnung w\u00e4re wohl ein Novum. Bei der Deutschen Bischofskonferenz ist so ein Vorgang nicht bekannt, ebenso wenig bei den deutschen Bist\u00fcmern.<\/p>\n<p>Im dunkelsten Kapitel des Lebens von Gerda Lemmer spielten au\u00dfer der Wohnung des Pfarrers mit den schweren dunklen M\u00f6beln noch andere Tatorte eine Rolle. Zum Beispiel die Sakristei, sagt die heute 60-J\u00e4hrige. Dort h\u00e4tten sie und andere M\u00e4dchen Jungnitsch manchmal aus der Soutane helfen m\u00fcssen. &#8222;Er hat sich dabei an einem Tischbein gerieben.&#8220; Sie erinnert sich an die Empore, an einen dunklen Gang an der Orgel, wo ein anderer Mann mit Baskenm\u00fctze sie anstarrte. Fast immer sei jemand anderes dabei gewesen.<\/p>\n<p>Das deckt sich mit Schilderungen weiterer Betroffener. Wohl mindestens sechs M\u00e4nner zwischen 20 und 70, alle aus der Gemeinde und teils im Kirchendienst, sollen mitgemacht haben. &#8222;Heute w\u00fcrde man das wahrscheinlich als Kindersch\u00e4nder-Ring bezeichnen.&#8220;<\/p>\n<p>Auch Elisabeth M\u00fcller* wurde in den 1960er-Jahren als Kind missbraucht, unter anderem &#8222;in so einer Art Laube in einer Gartensparte in Graupa&#8220;. Sie erz\u00e4hlt von einer Person, die die Untaten fotografiert habe. Sakrale Gegenst\u00e4nde seien zur Penetration benutzt worden. Ein M\u00e4dchen sei im Intimbereich so schwer verletzt worden, dass es ins Heidenauer Krankenhaus musste. Dem Gyn\u00e4kologen dort sei gesagt worden, das Kind habe Spagat gemacht und dabei sei etwas gerissen. Es gibt Hinweise, dass der Arzt zumindest geahnt haben soll, was in der Gemeinde vor sich ging. &#8222;Die haben alle geschwiegen&#8220;, sagt M\u00fcller.<\/p>\n<p>Die famili\u00e4ren Wurzeln der meisten Katholiken in Heidenau liegen in Schlesien. F\u00fcr einige \u00c4ltere unter ihnen ist Jungnitsch kein Sexual-, sondern eher ein Wohlt\u00e4ter. Nach dem Krieg half er den Vertriebenen, ihre Not zu lindern. Er kn\u00fcpfte Kontakte bis in den Westen, besorgte Lebensmittel und Kleidung oder auch Lehrstellen. &#8222;F\u00fcr alle, deren V\u00e4ter im Krieg geblieben waren, hatte der eine Rolle wie St. Martin&#8220;, sagt M\u00fcller. \u00dcber den Missbrauch konnten sie und die anderen betroffenen M\u00e4dchen nicht reden. &#8222;Solche traumatischen Erfahrungen verdr\u00e4ngen Kinder zum Schutz tief ins Unterbewusstsein&#8220;, sagt ein mit dem Fall befasster Therapeut. &#8222;Oft bricht das erst Jahre oder Jahrzehnte sp\u00e4ter hervor.&#8220;<\/p>\n<p>Die Katholiken aus Schlesien sind nicht nur mit Heidenau, sondern generell eng verkn\u00fcpft mit der Nachkriegsgeschichte des heutigen Bistums Dresden-Mei\u00dfen. Pr\u00e4gende Pers\u00f6nlichkeiten stammten von dort. Zum Beispiel der 2017 gestorbene Joachim Meisner; er hatte 1987 als Kardinal von Berlin das einzige DDR-weite Katholikentreffen in Dresden organisiert. Die Familie von Ex-Bischof Joachim Reinelt, der dem Bistum von 1988 bis 2012 vorstand, kam ebenfalls aus Schlesien.<\/p>\n<p>Und auch sein Vorg\u00e4nger Gerhard Schaffran. Der 1996 in Dresden verstorbene Kleriker war nach dem Tod seines Vaters im Ersten Weltkrieg mit seiner Mutter nach G\u00f6rlitz gezogen, wo er das Abitur machte. Dort pr\u00e4gte ihn von 1926 bis 1929 ein Kaplan namens Herbert Jungnitsch. Sp\u00e4ter ging Schaffran zum Theologiestudium nach Breslau, wo er Jungnitsch erneut begegnete. Jahrzehnte sp\u00e4ter, als Heidenauer Pfarrer, freute der sich, dass &#8222;einer von seinen Jungs&#8220; Bischof geworden war.<\/p>\n<p>Wusste Schaffran von den Verbrechen, die Jungnitsch in Heidenau begangen hat?<\/p>\n<p>Das Bistum sagt nein. &#8222;Aus den uns vorliegenden Akten ergeben sich keinerlei entsprechende Hinweise&#8220;, teilt die Pressestelle mit. Erst im M\u00e4rz 2010 sei der damalige Bischof Reinelt \u00fcber das Ergebnis einer Recherche zu Jungnitsch informiert worden. Internem Schriftverkehr zufolge, der der S\u00e4chsischen Zeitung vorliegt, hatte ein ehemaliger Ordinariatsrat &#8222;auftragsgem\u00e4\u00df&#8220; Heidenaus damaligen Pfarrer vertraulich gefragt, ob ihm etwas \u00fcber &#8222;Ger\u00fcchte oder \u00c4hnliches&#8220; in Sachen Jungnitsch bekannt sei. Ohne Ergebnis.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchsommer jenes Jahres treten dann zwei betroffene Frauen der Heidenauer F\u00e4lle direkt an den Bischof heran. Der zeigt sich \u00fcber ihre Vorw\u00fcrfe ersch\u00fcttert. &#8222;Er sagte, er habe eine andere Frau, die deutlich vor uns zu ihm gekommen sei, nicht ernst genommen und f\u00fcr verwirrt gehalten&#8220;, sagt eine Gespr\u00e4chsteilnehmerin.<\/p>\n<p>Im Juli 2010 r\u00e4umt das Bistum gleich mehrere Missbrauchsf\u00e4lle ein, darunter auch, &#8222;dass ein 1971 verstorbener Pfarrer offensichtlich verbrecherische Handlungen an M\u00e4dchen begangen und ihnen damit schweren seelischen Schaden zugef\u00fcgt hat&#8220;. Von Verwicklungen weiterer M\u00e4nner aus dem Kirchendienst in diesen Fall ist dem Bistum nach Angaben ihres Sprechers bis heute nichts bekannt.<\/p>\n<p>2010 und 2011 gibt es zwar Gespr\u00e4che mit Betroffenen, Zahlungen &#8222;in Anerkennung des Leids&#8220; und Geld f\u00fcr Therapien &#8211; aber keine kircheninterne Aufarbeitung. Erst im Januar 2012 notiert der damalige Justiziar, das Thema Jungnitsch sei in Heidenau &#8222;ambivalent&#8220;. Viele w\u00fcssten oder ahnten, worum es gehe, hielten das aber zur\u00fcck, &#8222;um es eventuell auszusitzen&#8220;. Eine der betroffenen Frauen habe vorgeschlagen, das Bistum m\u00f6ge die Pfarrei zu einem &#8222;Selbstreinigungsprozess&#8220; auffordern und eine innerkirchliche Untersuchungskommission einberufen.<\/p>\n<p>Keine dieser Ideen wird umgesetzt. Zwar schreibt im M\u00e4rz 2012 besagter Justiziar an die Betroffene, er bereite in Abstimmung mit der Pressestelle eine Information an die \u00d6ffentlichkeit vor, der Entwurf w\u00fcrde vor der Ver\u00f6ffentlichung aber noch einmal Bischof Reinelt und dem amtierenden Di\u00f6zesanverwalter vorgelegt. Die Pressemeldung erscheint nicht. Der Grund daf\u00fcr bleibt offen. Es sei &#8222;m\u00f6glicherweise davon auszugehen, dass es sich um eine Vorbereitung f\u00fcr Presseanfragen gehandelt hat&#8220;, teilt der Bistumssprecher mit.<\/p>\n<p>Obwohl der Casus Jungnitsch bistumsintern bis heute als gravierendste Tat seit 1945 gilt, werden in der ersten offiziellen Zusammenfassung zu dem Thema im Juni 2013 weder Heidenau noch der Name des Pfarrers erw\u00e4hnt. Inzwischen amtiert Heiner Koch als Bischof. Er verk\u00fcndet im Herbst 2014 gar: &#8222;Die aktuelle Situation haben wir weitgehend aufgearbeitet.&#8220;<\/p>\n<p>\u00dcber das Thema Jungnitsch f\u00e4llt auch kein Wort, als Anfang September 2018 die Gr\u00fcndung der neuen Gro\u00dfpfarrei St. Heinrich und Kunigunde in Pirna gefeiert wird, zu der fortan auch St. Georg in Heidenau geh\u00f6ren sollte. &#8222;Einen geistlichen Prozess kann niemand verordnen; jede und jeder Getaufte aber ist gerufen, sein Leben neu auf Jesus Christus zu gr\u00fcnden&#8220;, predigt der seit 2016 agierende Bischof Heinrich Timmerevers.<\/p>\n<p>Der &#8222;geistliche Prozess&#8220; der Jungnitsch-Aufarbeitung hingegen stockt. Pirnas Pfarrer Vinzenz Brendler beteuert, er habe nichts dar\u00fcber gewusst, als er die Heidenauer Gemeinde mit \u00fcbernahm. &#8222;Das Bistum hatte mich nicht informiert. Es hat mich dann auch \u00fcberrascht, als das Thema so schnell aufkam.&#8220;<\/p>\n<p>In jenem Herbst wird die nach den Universit\u00e4ten Mannheim, Heidelberg und Gie\u00dfen benannte MHG-Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche Deutschlands ver\u00f6ffentlicht. Die Forscher hatten fast 3.700 Missbrauchsopfer ausfindig gemacht. Hinzu kamen gut 1.400 Betroffene, die sich bei Ordensgemeinschaften gemeldet hatten. Bischof Timmerevers sagt, sein Bistum sei &#8222;einer konsequenten Aufkl\u00e4rung verpflichtet&#8220;.<\/p>\n<p>Derweil haben die Jungnitsch-Opfer in all den Jahren an der Bew\u00e4ltigung des Erlebten arbeiten m\u00fcssen. &#8222;Das ganze Leben ist durchtr\u00e4nkt davon&#8220;, sagt eine von ihnen. &#8222;Ich habe als Kind gro\u00dfe Sprachschwierigkeiten gehabt.&#8220; Gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig sei sie lange Zeit wie &#8222;vereist&#8220; gewesen. Seit 20 Jahren k\u00e4mpfe sie psychotherapeutisch gegen Versagens\u00e4ngste. &#8222;Das setzt mich enorm unter Druck.&#8220;<\/p>\n<p>Nach der Ver\u00f6ffentlichung der MHG-Studie entscheidet das Dresdner Bistum, alle einschl\u00e4gigen Akten der Staatsanwaltschaft zur Verf\u00fcgung zu stellen. In der im November 2019 von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossenen Ordnung f\u00fcr den Umgang mit sexuellem Missbrauch durch Kleriker ist ein bisch\u00f6flicher Beraterstab vorgeschrieben, dem auch Betroffene angeh\u00f6ren sollen. Im Bistum Dresden-Mei\u00dfen ist das bislang nicht der Fall.<\/p>\n<p>Der Pressestelle zufolge ist bisher gegen 21 Beschuldigte ermittelt worden. Sechs davon seien verstorben. Drei seien laisiert, vier kirchenrechtlich verurteilt worden. Es habe drei Freispr\u00fcche gegeben und drei Einstellungen. Zwei Verfahren richteten sich gegen unbekannt. Weiter hei\u00dft es, es w\u00fcrden derzeit &#8222;drei neu aufgetauchte, l\u00e4nger zur\u00fcckliegende F\u00e4lle sexuellen Missbrauchs untersucht, wobei es sich bei den Beschuldigten nicht um Priester handelt&#8220;. Insgesamt gebe es mittlerweile 14 m\u00e4nnliche und 16 weibliche Betroffene. Sie seien mit bisher 114.500 Euro unterst\u00fctzt worden.<\/p>\n<p>&#8222;Sehr unzufrieden&#8220; sei das Bistum mit der Umsetzung der Pr\u00e4ventions- und Schutzkonzepte in seinen 37 Pfarreien, hei\u00dft es. Das l\u00e4ge erst in 19 Gro\u00dfgemeinden vor. Bis Ende Mai sollen nun alle Pfarreien &#8222;zumindest ein Basiskonzept&#8220; entwickelt haben. Aktuell werde gepr\u00fcft, ob bei Nichterf\u00fcllung eine K\u00fcrzung des Pfarreizuschusses rechtlich m\u00f6glich sei.<\/p>\n<p>Das Ordinariat r\u00e4umt jedoch auch selbst ein, das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Notwendigkeit von Aufarbeitung sei in der Vergangenheit &#8222;zu wenig ausgepr\u00e4gt&#8220; gewesen. In vielen F\u00e4llen habe &#8222;Unsicherheit im Umgang mit dem Thema&#8220; den Prozess verz\u00f6gert.<\/p>\n<p>Die Gemeinde in Heidenau erf\u00e4hrt vom Bistum im Juli 2020 zum ersten Mal offiziell, wer der Priestert\u00e4ter ist. &#8222;Das h\u00e4tte ich mir 2011 gew\u00fcnscht, als die Jungnitsch-Geschichte mit Wucht \u00fcber mich hereinbrach&#8220;, sagt eine Betroffene. Das Geld sei \u00fcberwiesen worden &#8222;und dann war Ruhe&#8220;. Ihr und ihrer Familie w\u00e4re &#8222;einiges an Leid erspart geblieben, wenn die Bistumsverantwortlichen schon vor zehn Jahren Mut und Wahrheitswillen gehabt h\u00e4tten&#8220;.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchsommer wird ein neuer Anlauf zur Aufarbeitung der Heidenauer Gemeindehistorie unternommen. Dann soll ganz offen \u00fcber Jungnitsch gesprochen werden. &#8222;Bei der Abendveranstaltung sollen die Fakten klar benannt werden, erg\u00e4nzt durch Blickwinkel aus der Psychologie und weiteren Disziplinen&#8220;, sagt der mit dem Projekt betraute Gemeindereferent. Er sei gespannt auf die Resonanz.<\/p>\n<p>Die war bei der Beerdigung von Jungnitsch im Februar 1971 beachtlich gewesen. Der Pfarrer war zehn Tage vor seinem 73. Geburtstag auf dem Weg zu einem Briefkasten von einem Fahrzeug erfasst worden. Ob es ein Motorrad oder ein Auto war, dar\u00fcber hat die Polizeidirektion Dresden keine Akten mehr. Im Krankenhaus erlag er seinen Verletzungen.<\/p>\n<p>Hunderte gaben ihm das letzte Geleit, darunter auch der mit Jungnitsch befreundete Bischof Schaffran. &#8222;60 Mitbr\u00fcder und vier Geistliche evangelischer Gemeinden, Kinder, Jugend und ein Gro\u00dfteil seiner Gemeinde zogen am offenen Sarg ihres Pfarrers in stillem, betendem und dankbarem Gedenken vorbei&#8220;, berichtete seinerzeit die katholische Wochenzeitung Tag des Herrn. Und weiter: &#8222;Ganz erf\u00fcllt von der Gnade seiner eigenen Berufung zum Priestertum, war es sein Bestreben, die Liebe zum Priestertum jungen Menschen weiterzugeben.&#8220;<\/p>\n<p>*Namen ge\u00e4ndert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 16.02.2021 &#8222;Die haben alle geschwiegen&#8220; Vor 50 Jahren starb Herbert Jungnitsch. Der katholische Priester missbrauchte in Heidenau mindestens vier Kinder. Aufgearbeitet hat die Kirche den Fall bis heute nicht. 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