{"id":762,"date":"2021-09-23T17:34:01","date_gmt":"2021-09-23T15:34:01","guid":{"rendered":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=762"},"modified":"2021-12-18T19:47:47","modified_gmt":"2021-12-18T17:47:47","slug":"extremes-stoerfeuer-saechsische-zeitung-seite-3-23-09-2021","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=762","title":{"rendered":"&#8222;Extremes St\u00f6rfeuer&#8220; &#8211; Die rechtsextremistischen &#8222;Freien Sachsen&#8220; im Bundestagswahlkampf, S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 23.09.2021"},"content":{"rendered":"\n<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 23.09.2021<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Extremes St\u00f6rfeuer&#8220;<\/h1>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Gebr\u00fcll, Getr\u00f6te, Hass-Ch\u00f6re: Im Bundestagswahlkampf w\u00fctet eine Gruppe namens \u201eFreie Sachsen\u201c gezielt bei Veranstaltungen und sch\u00fcchtert Politiker ein.<\/h4>\n\n\n\n<p>Von Tobias Wolf und Ulrich Wolf<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Extremes-St\u00f6rfeuerSZ_DDN_23-09-2021_03-2.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Extremes-St\u00f6rfeuerSZ_DDN_23-09-2021_03-2-150x150.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-796\" srcset=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Extremes-St\u00f6rfeuerSZ_DDN_23-09-2021_03-2-150x150.jpg 150w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Extremes-St\u00f6rfeuerSZ_DDN_23-09-2021_03-2-160x160.jpg 160w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Extremes-St\u00f6rfeuerSZ_DDN_23-09-2021_03-2-240x240.jpg 240w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Extremes-St\u00f6rfeuerSZ_DDN_23-09-2021_03-2-60x60.jpg 60w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Extremes-St\u00f6rfeuerSZ_DDN_23-09-2021_03-2-184x184.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Der L\u00e4rm ist ohrenbet\u00e4ubend, als Christdemokrat Friedrich Merz\nam Dienstagabend vor der G\u00f6rlitzer Landskron-Brauerei ankommt. Tr\u00f6ten, ein\nSignalhorn und \u201eHaut ab\u201c-Rufe dr\u00f6hnen durch die Einfahrt. Kurz zuvor ist sein\nParteifreund, Sachsens Ministerpr\u00e4sident Michael Kretschmer, vorgefahren. Auch\ner wird lautstark empfangen, von rund 50 Menschen, die l\u00e4rmen wie 500. So\nbeginnt der letzte, prominent besetzte<\/p>\n\n\n\n<p>Wahlkampftermin f\u00fcr den CDU-Bundestagskandidaten Florian Oest. Er, der im Wahlkreis 157 unter anderem gegen AfD-Chef Tino Chrupalla antritt, und Kretschmer sind Gebr\u00fcll gew\u00f6hnt. Beim Grilltermin der beiden vor zwei Wochen in Gro\u00dfsch\u00f6nau am Zittauer Gebirge waren die P\u00f6bler ebenfalls pr\u00e4sent. Wo immer ein Spitzenpolitiker im Wahlkampf in Sachsen auftritt, um die \u00f6rtlichen Bundestagskandidaten von CDU, SPD, Gr\u00fcnen oder Linken zu unterst\u00fctzen, muss er mit dieser kleinen lauten Truppe rechnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter den St\u00f6rern stecken die \u201eFreien Sachsen\u201c. Das ist eine Partei, die der Verfassungsschutz seit Juni als rechtsextremistisch einstuft. Seit ihrer Gr\u00fcndung im Februar 2021 vereint sie namhafte Neonazis und selbsternannte B\u00fcrgerliche unter gr\u00fcn-wei\u00dfer Freistaatssymbolik. Auf ihrer Internetseite, bei Facebook und dem Messengerdienst Telegram verbreiten sie die Termine anderer Parteien und rufen Mitglieder wie Sympathisanten dazu auf, sie sollten bei den Veranstaltungen \u201evorbeischauen und nat\u00fcrlich auch ihre Meinung sagen!\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz bevor Kretschmer Anfang September das erzgebirgische Olbernhau besuchte, schrieben die Extremisten: \u201e\u00dcber eine Begr\u00fc\u00dfung und viele Gespr\u00e4che mit erzgebirgischen B\u00fcrgern freut sich der gesch\u00e4tzte Ministerpr\u00e4sident \u2013 wie immer \u2013 sicherlich sehr!\u201c Es wurde laut.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in Freiberg war das nicht anders. Ebenfalls Anfang September hatten sich dort auf dem Schlossplatz acht Personen versammelt, in Sichtweite von Sachsens gr\u00fcnem Umweltminister Wolfram G\u00fcnther und der Freiberger Direktkandidatin Lea Fr\u00e4nzle.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Protestlern, die dem Aufruf der \u201eFreien Sachsen\u201c nach Freiberg gefolgt sind, ist eine altmodisch gekleidete junge Frau. Ein gebr\u00e4unter junger Mann in kurzen Jeanshosen und kanariengelbem T-Shirt hat zun\u00e4chst Schwierigkeiten, das Megafon einzuschalten. Dann beginnt er, auf Hochdeutsch \u201eVolksverr\u00e4ter\u201c zu br\u00fcllen. Einer seiner Begleiter johlt. Eine Sirene heult, Buh-Rufe. Das H\u00e4uflein legt sich ins Zeug.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Video des Auftritts landet sp\u00e4ter im Telegram-Kanal der \u201eFreien Sachsen\u201c. Dort hei\u00dft es, in Freiberg habe sich \u201espontaner Gegenprotest\u201c formiert, \u201eder den Gr\u00fcnen deutlich macht, dass sie in Mittelsachsen keine B\u00fcrger f\u00fcr ihre Ideologie verf\u00fchren werden!\u201c. Spontaner Gegenprotest, b\u00fcrgerlich, zuf\u00e4llig. Mit solchen Beschreibungen versuchen die Rechtsextremisten, die St\u00f6rauftritte zu verkaufen, obwohl sie selbst \u00fcber ihre Netzwerke entweder Gesinnungsgenossen oder sympathisierende Einheimische gezielt daf\u00fcr agitieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstmals erw\u00e4hnt der Verfassungsschutz die \u201eFreien Sachsen\u201c im\nApril 2021. Von einer \u201eneu gegr\u00fcndeten nichtextremistischen Partei\u201c ist da noch\ndie Rede. Diese sei bei einer von v\u00f6lkischen Siedlern organisierten Demo in\nLeisnig in Erscheinung getreten. Im Juni erfolgte dann die Einstufung als\n\u201erechtsextremistische Bestrebung\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Nachrichtendienst geht davon aus, dass die Partei der\n\u201eFreien Sachsen\u201c Demonstrationen gegen die Corona-Politik weiterhin \u201eals\nPlattform f\u00fcr die bestm\u00f6gliche gesellschaftliche Einsickerung ihrer\nverfassungsfeindlichen, rechtsextremistischen Ziele ausnutzen wird\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den \u201eFreien Sachsen\u201c gibt es \u00dcberschneidungen mit der rechtsextremistischen Initiative Einprozent, mit der NPD und anderen Neonazi-Gruppen. Parteivorsitzender ist der Rechtsanwalt Martin Kohlmann (44). Er war vergangenes Jahr wegen Holocaust-Leugnung verurteilt worden. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem gewaltsamen Tod des Chemnitzers Daniel H. im Sp\u00e4tsommer 2018 war Kohlmann als Chef der ebenfalls rechtsextremistischen Vereinigung Pro Chemnitz die ma\u00dfgebliche Organisationsfigur der gemeinsamen Aufm\u00e4rsche von Neonazis und \u201ebesorgten B\u00fcrgern\u201c. Kohlmann hatte sich dem Verfassungsschutz zufolge als Redner stereotyper fremdenfeindlicher Argumentationsmuster und rechtsextremistischer Propagandavokabeln bedient, \u201edie einen Gewalt legitimierenden Charakter aufwiesen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Kohlmann umgibt sich auch beruflich mit Extremisten, etwa mit\ndem31-j\u00e4hrigen Michael Br\u00fcck. Der stammt aus Bergisch-Gladbach und geh\u00f6rte zu\nden F\u00fchrungsfiguren der Neonazi-Organisation Nationaler Widerstand Dortmund.\nNach deren Verbot gr\u00fcndete Br\u00fcck gemeinsam mit anderen die Kleinpartei Die\nRechte, f\u00fcr die er von 2015 bis 2020 im Stadtrat der westf\u00e4lischen Gro\u00dfstadt\nsa\u00df. Dann zog er nach Chemnitz, angeblich, um in der Anwaltskanzlei von\nKohlmann als Azubi anzufangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf seinem seit Ende 2020 nicht mehr genutzten Telegram-Kanal\ntat Br\u00fcck kund, in Sachsen seien die Menschen empf\u00e4nglicher f\u00fcr rechte\nPositionen. Es w\u00fcrde sich daher viel mehr anbieten, \u201ein der Fl\u00e4che\nanzugreifen\u201c. Dem Verfassungsschutz zufolge war es \u201emit hoher\nWahrscheinlichkeit\u201c Br\u00fcck, der bei einer von Linken organisierten Demonstration\nEnde Juli in Zw\u00f6nitz Eintr\u00e4ge zum \u201eVersammlungsgeschehen auf dem regionalen\nTelegram-Kanal Freie Erzgebirger der Partei \u201aFreie Sachsen\u2018\u201c in einem\nLive-Ticker ver\u00f6ffentlichte. <\/p>\n\n\n\n<p>Erster Stellvertreter Kohlmanns bei den \u201eFreien Sachsen\u201c ist\nStefan Hartung, Neonazi und NPD-Funktion\u00e4r aus dem Erzgebirge. Zweiter\nStellvertreter ist Thomas Kaden, ein Busunternehmer aus Plauen, der mit der\nrechtsextremistischen Partei III. Weg kooperiert und sein Geld unter anderem\ndamit verdient, Corona-Leugner zu Demonstrationen quer durch die Republik zu kutschieren.\nSchatzmeister Robert Andres wird vom Verfassungsschutz ebenfalls als Neonazi\neingestuft.<\/p>\n\n\n\n<p>Dresden, Montag vergangener Woche. Bei der inzwischen ebenfalls\nals rechtsextrem bewerteten Pegida-Bewegung wird Bj\u00f6rn H\u00f6cke erwartet. Lange\nbevor der AfD-Frontmann eintrifft, haben die \u201eFreien Sachsen\u201c einen Infostand\naufgebaut. Kohlmann sagt, sie seien hier, um Pegida zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gutes Dutzend Rentner umlagert den Stand. Unten h\u00e4ngt ein\nTransparent \u201eS\u00e4xit! Raus aus der Coronadiktatur\u201c. Schatzmeister Andres l\u00e4uft\nauf und ab, spricht in ein \u00fcbersteuertes Mikro gegen den L\u00e4rm der rund 1.500\nGegendemonstranten an. Die w\u00fcrden \u201evon dem ARD bezahlt\u201c, seien \u201eaus\nSteuergeldern bezahlte Antifa\u201c. Kohlmann, schwarzes Hemd, hellbraune Jacke,\nraucht Zigaretten. Pegida-Anwalt Jens Lorek ist einer seiner Gespr\u00e4chspartner. <\/p>\n\n\n\n<p>Die etwa 2.000 Pegida-Anh\u00e4nger, die wenig sp\u00e4ter H\u00f6cke huldigen\nwerden, sind auch Kohlmanns Zielpublikum. Wie Pegida werben auch die \u201eFreien\nSachsen\u201c um Spenden. Ihr Konto wird bei der Sparkasse Chemnitz gef\u00fchrt. Das\nGeldhaus wehrt sich gerichtlich dagegen. Sprecher Sven M\u00fccklich sagt, das Konto\nsei im Fr\u00fchjahr 2021 beantragt worden. Das habe die Sparkasse abgelehnt, sei\ndann aber vom<\/p>\n\n\n\n<p>Verwaltungsgericht Chemnitz zu einer vorl\u00e4ufigen Er\u00f6ffnung verpflichtet\nworden. Die erste Gerichtsverhandlung werde in den kommenden Wochen erwartet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir werden uns abermit allen Kr\u00e4ften wehren\u201c, sagt M\u00fccklich.\nNach Auffassung der Sparkasse missachten die \u201eFreien Sachsen\u201c mindestens sechs\nArtikel des Grundgesetzes. So wolle die Partei laut ihrem Programm Menschen,\ndie au\u00dferhalb von Sachsen geboren sind, wieder \u201egeregelt in ihre Heimatl\u00e4nder\nzur\u00fcckf\u00fchren\u201c, darunter \u201eVerwaltungsleute, Richter und Journalisten aus dem\nWesten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Wutprotesten und ihrer Programmatik wollen die \u201eFreien\nSachsen\u201c offenbar nicht nur Spenden sammeln, sondern auch Gewinne machen. \u00dcber\nden sogenannten Sachsenversand auf der Internetseite der Partei werden\nDevotionalien mit s\u00e4chsischen Wappen und dem Schriftzug der \u201eFreien Sachsen\u201c\nverkauft. Wie einst die NSDAP und sp\u00e4ter die NPD versuchen die \u201eFreien\nSachsen\u201c, auch den erzgebirgischen Volksdichter Anton G\u00fcnther zu vereinnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie drucken dessen Konterfei auf Tassen und verkaufen das St\u00fcck\nf\u00fcr 8,95 Euro. Dazu gibt es Aufkleber mit der Aufschrift \u201eDeitsch on frei wolln\nmer sei!\u201c. Das ist ein Lied, das G\u00fcnther 1908 schrieb vor<\/p>\n\n\n\n<p>dem Hintergrund ethnischer Spannungen in B\u00f6hmen. Dass sich\nG\u00fcnther von den Nationalsozialisten nicht vereinnahmen lie\u00df, sondern 1937\nSuizid beging, ficht die \u201eFreien Sachsen\u201c nicht an. Bei nahezu jedem\nSt\u00f6rauftritt finden sich die Werbematerialien des Versandshops. Dessen\nBetreiber ist Schatzmeister Andres, Sitz die Adresse von Kohlmanns Kanzlei.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber den Shop werden auch Prospekte vertrieben. Dabei machen die \u201eFreien Sachsen\u201c auch vor Minderj\u00e4hrigen nicht halt. Etwa mit einer Propaganda-Brosch\u00fcre, die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler beim Thema Corona-Impfung verunsichern soll. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine SZ-Anfrage zu den St\u00f6raktionen ver\u00f6ffentlicht Kohlmann samt Antworten bei Facebook und Telegram. F\u00fcr ihn sind die Br\u00fcll- und Pfeifaktionen keine St\u00f6rungen, sondern ein Versuch, \u201edas kritische Gespr\u00e4ch\u201c zu suchen. Obwohl die \u201eFreien Sachsen\u201c sich selbst als Partei bezeichnen, sieht Kohlmann sie \u201eeher als Sammlungs- und Vernetzungsbewegung\u201c. Die angefragte Mitgliederzahl sei deshalb f\u00fcr ihn weniger wichtig. Ausgeschlossen aus der Partei werde lediglich, wer distanziere und spalte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas ist eine alte Krankheit des patriotischen\nB\u00fcrgerwiderstandes, zu deren \u00dcberwindung wir beitragen m\u00f6chten.\u201c Auch die\ngenaue Zahl der Kreis- und Ortsverb\u00e4nde gibt Kohlmann nicht an. Mit Ausnahme\ndes<\/p>\n\n\n\n<p>Ostens sei man \u201eim \u00fcbrigen Sachsen fl\u00e4chendeckend\u201c organisiert,\nteilt er mit.<\/p>\n\n\n\n<p>Das St\u00f6ren von Veranstaltungen war bereits 2017 bei den\nBundestagswahlen aufgefallen; damals rekrutierten sich die lauten Querulanten\naus AfD-und Pegida-Reihen. Eine immer fast gleiche Gruppe tauchte an immer\nwieder anderen Orten in Sachsen und angrenzenden Bundesl\u00e4ndern auf, um bei\nprominenten Politikern wie Kanzlerin Angela Merkel oder Au\u00dfenminister Heiko Maas\nden Eindruck zu erwecken, es handele sich um unzufriedene B\u00fcrger aus der\nRegion. Zudem sollten lokale Proteste<\/p>\n\n\n\n<p>gr\u00f6\u00dfer erscheinen, als sie in Wirklichkeit waren, verst\u00e4rkt\ndurch Echokammern sozialer Netzwerke. Kaum ein Wahlkampfauftritt blieb ohne\nVolksverr\u00e4ter-Rufe. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Corona-Pandemie hat Rechtsextremisten wie Kohlmann oder\nl\u00e4ngst abgeschriebenen NPD-Kadern und Neonazis neuen Auftrieb verschafft. Ihre\nkonzertierten St\u00f6raktionen sch\u00fcchtern inzwischen Wahlhelfer und Kandidaten ein,\nes sei denn, diese sind im Auftrag der AfD unterwegs.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Frage, warum er seine Wahlkampftermine im Internet sehr\nsp\u00e4t oder sogar gar nicht mehr ver\u00f6ffentlicht, antwortet ein in Sachsen\nbekannter CDU-Politiker: \u201eDas hat mit den \u201aFreien Sachsen\u2018 zu tun. Die\nversuchen, jeden Wahltermin zu st\u00f6ren.\u201c Er sei jetzt drei Jahrzehnte in der\nPolitik aktiv, aber einen solchen Hass und eine solche Lust, politische Gegner\nver\u00e4chtlich zu machen und zu diffamieren, habe er noch nicht erlebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Umfeld des G\u00f6rlitzer CDU-Kandidaten Oest hingegen versucht,\ndie Dinge etwas freundlicher zu sehen, als sie sind. Das St\u00f6ren der \u201eFreien\nSachsen\u201c bei der Grillaktion in Gro\u00dfsch\u00f6nau mit Kretschmer kommentiert ein\nLokalpolitiker so: \u201eDas war alles nicht so schlimm, nur ein paar, die ihre\nMeinung sagen wollten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Klartext redet Sebastian Fischer, CDU-Direktkandidat im\nWahlkreis Mei\u00dfen. Ausgerechnet er, der sich jahrelang m\u00fchte, Menschen vom\npolitisch rechten Rand zuzuh\u00f6ren, wird immer wieder Ziel von P\u00f6beleien, zuletzt\nam Sonntag in Coswig. \u201eAchtung: Kretschmer ist heute in S\u00f6rnewitz (Coswig) und\nwill mit ALLEN B\u00fcrgern sprechen!\u201c, schrieben die \u201eFreien Sachsen\u201c auf Telegram.\n\u201eAuch wenn es kurzfristig ist: So eine gute Gelegenheit sollte man sich nicht\nentgehen lassen!\u201c Die St\u00f6rer versammelten sich in einem Biergarten, Kinder\ninklusive. <\/p>\n\n\n\n<p>Sie br\u00fcllten in die Reden hinein, klatschten provozierend oder\nanimierten den Nachwuchs, besonders laut zu tr\u00f6ten. Irgendwann h\u00e4tten sie zwar\nein paar Fragen gestellt, sich aber nicht f\u00fcr Antworten interessiert, erz\u00e4hlt\nFischer. \u201eDer Tiefpunkt war erreicht, als eine Frau aus unserem Stadtverband in\nCoswig als CDU-Fotze betitelt wurde.\u201c Normaler Dialog sei mit diesen Personen\nnicht mehr m\u00f6glich, Anstand sei nicht zu erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDieses Verhalten ekelt mich an.\u201c Er wolle nicht, dass Hass,\nL\u00fcge und primitive Hetze das Bild von Sachsen bestimmen. An manche Menschen\nkomme er nicht mehr heran, \u201ean andere muss ich ran, aber man muss an\nSelbstschutz denken\u201c. Der Schritt von der verbalen hin zur k\u00f6rperlichen Gewalt\nsei nur noch ein kleiner. \u201eIrgendwann greift einer von denen zur Spitzhacke\noder zum Messer\u201c, sagt Fischer. \u201eHier k\u00f6nnte eine rechte RAF entstehen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Als der verhinderte CDU-Kanzlerkandidat Merz in der Brauerei in\nG\u00f6rlitz spricht, ist die Dauerl\u00e4rmkulisse mit Pfeifen und Gebr\u00fcll drinnen zu\nh\u00f6ren. Als der Politiker das Gel\u00e4nde verl\u00e4sst, br\u00fcllen sie ihm \u201eHaut ab, haut\nab\u201c hinterher. Als keiner mehr nachkommt, sind die Protestler kurz irritiert.\nEs wird f\u00fcr einen Moment still, der Gegner fehlt. Dann besinnt sich einer auf\neinen anderen Schlachtruf, die anderen br\u00fcllen mit: \u201eL\u00fcgenpresse, L\u00fcgenpresse.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Mitarbeit: Franziska Klemenz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 23.09.2021 &#8222;Extremes St\u00f6rfeuer&#8220; Gebr\u00fcll, Getr\u00f6te, Hass-Ch\u00f6re: Im Bundestagswahlkampf w\u00fctet eine Gruppe namens \u201eFreie Sachsen\u201c gezielt bei Veranstaltungen und sch\u00fcchtert Politiker ein. Von Tobias Wolf und Ulrich Wolf Der L\u00e4rm ist ohrenbet\u00e4ubend, als Christdemokrat Friedrich Merz am Dienstagabend vor der G\u00f6rlitzer Landskron-Brauerei ankommt. 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