{"id":799,"date":"2021-05-14T18:58:23","date_gmt":"2021-05-14T16:58:23","guid":{"rendered":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=799"},"modified":"2021-12-18T19:48:14","modified_gmt":"2021-12-18T17:48:14","slug":"im-guten-glauben-ausgeliefert-wie-die-katholische-kirche-mit-einem-30-jahre-alten-missbrauchsfall-umgeht-saechsische-zeitung-seite-3-14-05-2021","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wolftobias.com\/?p=799","title":{"rendered":"&#8222;Im guten Glauben ausgeliefert&#8220; &#8211; Wie die Katholische Kirche mit einem 30 Jahre alten Missbrauchsfall umgeht, S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 14.05.2021"},"content":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 14.05.2021<br \/>\n<!--StartFragment--><\/p>\n<h1>&#8222;Im guten Glauben ausgeliefert&#8220;<\/h1>\n<h4>Ein Missbrauchsfall ist seit 2013 aktenkundig. Als die katholische Kirche ermittelt, sind die Vorw\u00fcrfe strafrechtlich verj\u00e4hrt. Was macht das mit Opfern?<\/h4>\n<p>Von Jens Schmitz*, Tobias Wolf und Ulrich Wolf<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wolftobias.com\/?attachment_id=800\" rel=\"attachment wp-att-800\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-800\" src=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Im-guten-Glauben-ausgeliefert-SZ_DDN_14-05-2021_03-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Im-guten-Glauben-ausgeliefert-SZ_DDN_14-05-2021_03-150x150.jpg 150w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Im-guten-Glauben-ausgeliefert-SZ_DDN_14-05-2021_03-160x160.jpg 160w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Im-guten-Glauben-ausgeliefert-SZ_DDN_14-05-2021_03-240x240.jpg 240w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Im-guten-Glauben-ausgeliefert-SZ_DDN_14-05-2021_03-60x60.jpg 60w, http:\/\/wolftobias.com\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Im-guten-Glauben-ausgeliefert-SZ_DDN_14-05-2021_03-184x184.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Es gibt sie neuerdings wieder, die Tage an den Ellen Adler** am liebsten das Telefon abstellen w\u00fcrde. Weil sie erneut entt\u00e4uscht wurde von ihrer geistigen Heimat, der katholischen Kirche, entt\u00e4uscht, wie mit ihr und anderen Missbrauchsbetroffenen umgegangen wird. Wie oft Worten kein Handeln folgt.<\/p>\n<p>Wie h\u00e4lt man das aus? \u201eMan ist immer damit besch\u00e4ftigt, es zu \u00fcberstehen\u201c, sagt Ellen Adler. Sie lebt in einer Stadt in Sachsen. Erst vergangenes Jahr nahm sich der Dresdner Bischof Heinrich Timmerevers ihrer Sache an und gab eine Untersuchung in Auftrag. Fast sieben Jahre, nachdem Ellen Adlers Fall erstmals aktenkundig wurde, und drei Jahre, nachdem die Vorw\u00fcrfe strafrechtlich verj\u00e4hrt sind.<\/p>\n<p>Am Anfang war die Suche nach christlicher Spiritualit\u00e4t. Sogar Nonne wollte Ellen Adler werden, gelobte vor einem Priester Armut, Keuschheit und Gehorsam. Aber als sie sich nach dem Mauerfall auf den Weg macht, der sie in ein Kloster nach \u00d6sterreich f\u00fchren soll, nehmen die Tr\u00e4ume ein j\u00e4hes Ende. Noch heute f\u00e4llt es ihr schwer, dar\u00fcber zu sprechen.<\/p>\n<p>Als Zwischenstation hatte Adlers Heimatbischof eine Ausbildungsst\u00e4tte des Pallottiner-Ordens in Franken empfohlen, in der sie ab Januar 1990 auf Reisepapiere wartet. Dort sei ihr von einem angehenden M\u00f6nch, dem heutigen Pater Vogt**, Geschlechtsverkehr aufgezwungen worden. Die Aufnahme ins Kloster wird ihr anschlie\u00dfend verweigert. Vogt hat zwar eine andere Sicht darauf, will sich aber nicht \u00f6ffentlich \u00e4u\u00dfern. Ein Zweiter, Pater Hahn**, soll die Tat gedeckt haben.<\/p>\n<p>Mehr als zwei Jahrzehnte versucht Ellen Adler, zu verdr\u00e4ngen. Sie arbeitet, studiert und fl\u00fcchtet sich in eine Ehe, die nach ein paar Jahren geschieden wird. Gut 20 Jahre sp\u00e4ter will sie ihrem Glauben wieder n\u00e4herkommen. Das hei\u00dft auch, sie will, sie muss mit ihrer Scheidung umgehen, um es auf katholische Weise \u201ein Ordnung zu bringen\u201c. Vor der Kirche gilt sie noch als verheiratet. \u201eMein kirchenrechtlicher Status sollte meiner Lebensrealit\u00e4t angepasst werden.\u201c Mit dieser Vorstellung sei sie in ein Ehenichtigkeitsverfahren gegangen.<\/p>\n<p>Als sie vor dem Erfurter Offizial, dem unter anderem f\u00fcr Sachsen zust\u00e4ndigen Kirchengericht, dazu befragt wird, brechen die verdr\u00e4ngten Erinnerungen unter Tr\u00e4nen hervor. \u201eAuf einmal entsteht aus Bruchst\u00fccken von Erinnerungen ein Film, den man vorher nicht im Kopf hatte.\u201c Offizial (Kirchenrichter) ist damals ein<\/p>\n<p>Mann, der heute als Pfarrer in einer Th\u00fcringer Kleinstadt arbeitet. Der Endf\u00fcnfziger erinnert sich an Ellen Adler. \u201eIch dachte damals, mein Gott, was hat die Frau schon mitgemacht.\u201c Sein Fokus habe damals mehr auf der eherechtlichen Bewertung der Vorgeschichte der Frau gelegen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Akten schreibt der Offizial ein Eindruckszeugnis, in dem er feststellt, dass die Frau eine Vergewaltigung erlebt habe und nicht der geringste Zweifel an ihrer Glaubw\u00fcrdigkeit bestehe. Ein paar Monate sp\u00e4ter beendet er seine T\u00e4tigkeit am Kirchengericht.<\/p>\n<p>Heute sagt der Pfarrer, das Offizialat habe seinerzeit F\u00e4lle von sexuellem Kindesmissbrauch weitergeleitet, aber der Fall der Frau sei eindeutig eine Erwachsenenstraftat gewesen. Er sei mit dem Fall nicht noch einmal in Kontakt gekommen. \u201eWenn sie sich an den Bischof gewandt hat, dann h\u00e4tte das Bistum etwas unternehmen m\u00fcssen.\u201c Ellen Adler k\u00e4mpft monatelang mit ihren Erinnerungen, will aber auch kein Opfer sein. Au\u00dferdem hat sie drei Kinder, f\u00fcr die sie da sein will. F\u00fcr Adler ist klar: Der Fall ist aktenkundig, nun k\u00fcmmert sich jemand.<\/p>\n<p>Monate nach Erfurt trifft sie den damaligen Dresdner Bischof Heiner Koch. Ein zweites Gespr\u00e4ch folgt. Die Erinnerungen dar\u00fcber gehen auseinander. Ellen Adler sagt, sie habe mit Koch \u00fcber ihre Situation geredet und die \u00dcbergriffe des M\u00f6nchs angesprochen. Den Bischof habe sie als zugewandt und respektvoll erlebt, den Moment als hilfreich, unterst\u00fctzend und wohltuend.<\/p>\n<p>Sie sei davon ausgegangen, dass ein kirchenrechtliches Verfahren l\u00e4uft. Ein Moment, der Mut macht. Heiner Koch, heute Erzbischof von Berlin, best\u00e4tigt \u201ezwei intensive seelsorgliche Gespr\u00e4che mit der Betroffenen\u201c. Er erinnert sich nicht, dass von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung die Rede war. \u201eSollte ich Signale oder Hinweise nicht wahrgenommen haben, so bedaure ich dies zutiefst und bitte die Betroffene um Entschuldigung.\u201c Das Zeugnis des Offizialats sei ihm nicht bekannt. \u201eMit der jetzt geltenden Verfahrensordnung h\u00e4tte mir der Vorwurf angezeigt werden m\u00fcssen.\u201c Seit 2020 gilt die Missbrauchsordnung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die schutzbed\u00fcrftige Erwachsene umfasst.<\/p>\n<p>Adler entdeckt, dass \u201eihr\u201c mutma\u00dflicher T\u00e4ter in einem Ordenshaus in Sachsen Kurse gibt. Sie meldet sich dort und bekommt den Rat, sich an einen Ordensbruder zu wenden. Ellen Adler sagt, dieser habe ihr eine Therapie angeboten, f\u00fcr die sie rund 7.000 Euro bezahlen sollte. Sie sei fix und fertig gewesen. \u201eEin Ordensmann hat mich vergewaltigt und ein anderer will mit meinem Trauma Geld machen?\u201c Sp\u00e4ter habe sich der Pater entschuldigt.<\/p>\n<p>Sich der Vergangenheit zu stellen, belastet Adler. Ihre Haus\u00e4rztin besorgt therapeutische Unterst\u00fctzung und r\u00e4t, eigene Aufkl\u00e4rungsversuche mit der Kirche zun\u00e4chst abzubrechen. Andernfalls werde sie das nicht \u00fcberleben. Ellen Adler besch\u00e4ftigt sich mit Theologie, auch um ihr Verh\u00e4ltnis zur Kirche und ihren Glauben an Gott zu kl\u00e4ren. Sie rechnet mit einer jahrelangen Verfahrensdauer, bis irgendwann vielleicht ein Ergebnis aus Rom vorliegt.<\/p>\n<p>Heiner Koch geht in der Zeit als neuer Erzbischof nach Berlin, Heinrich Timmerevers wird Bischof von Dresden-Mei\u00dfen. Ellen Adler vertraut darauf, dass der neue Bischof den Fall weiterverfolgt. 2018 sieht sie wieder den Namen von Pater Vogt in einem Prospekt eines Jesuiten-Besinnungshauses und fortan gef\u00fchlt in allen Programmen. Ellen Adler wird klar: Wenn der Mann immer noch im Einsatz ist, kann es mit einem kirchenrechtlichen Verfahren und weiteren Ermittlungen nicht weit her sein.<\/p>\n<p>Sie kommt in Kontakt mit katholischen Frauenverb\u00e4nden, nimmt im September 2019 an einer Tagung \u201eGewalt gegen Frauen in Kirche und Orden\u201c teil. Dort erz\u00e4hlt sie von sich. Das sorgt daf\u00fcr, dass der Fall kurz darauf beim Jesuiten-Orden, bei der Deutschen Ordensobernkonferenz und beim Erzbistum Freiburg landet, in dem die beschuldigten Pallottiner-Patres leben. Die Jesuiten gehen den Vorw\u00fcrfen nach und halten die Anschuldigungen f\u00fcr so glaubhaft, dass der Orden gegen Pater Vogt bis zur Kl\u00e4rung der Vorw\u00fcrfe ein Bet\u00e4tigungsverbot verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Auf einer Weiterbildungsveranstaltung im Februar 2020 trifft Ellen Adler in Dresden Bischof Timmerevers. \u201eDa ging es wieder vor allem um minderj\u00e4hrige Missbrauchsopfer\u201c, sagt Adler. \u201eIch wollte ihm nur den Hinweis geben, dass es bei sexueller Gewalt gegen Frauen einen blinden Fleck gibt.\u201c Sie erz\u00e4hlt von 1990. Der Bischof bietet ein Gespr\u00e4ch an. Wochen sp\u00e4ter sitzen sich Adler und Timmerevers gegen\u00fcber. Adler wird klar, dass bisher nichts passiert ist. Sie habe ihm gesagt, dass die strafrechtliche Verj\u00e4hrung drohe oder wom\u00f6glich schon eingetreten ist. Das Bistum Dresden-Mei\u00dfen teilt mit, Ellen Adler habe dem Bischof deutlich gemacht, dass sie weder bei den Pallottinern noch in Freiburg Geh\u00f6r finde, \u201eda sie zum vermuteten Tatzeitpunkt bereits erwachsen war\u201c. Timmerevers ordnet eine Untersuchung an.<\/p>\n<p>Ellen Adler soll beim Notar aussagen, ein Anwalt soll ein Gutachten \u00fcber \u201edie zivil- und strafrechtliche Bewertung zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt\u201c und eine m\u00f6gliche Verj\u00e4hrung erarbeiten. Exakt 9.125,93 Euro bezahlt das Bistum an den Gutachter. Die pl\u00f6tzliche Aktivit\u00e4t \u00fcberrollt Ellen Adler. \u201eIch habe mich gef\u00fchlt, als sei ich in einen Tsunami geraten, es gab nichts anderes mehr.\u201c Timmerevers bringt den Fall bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige. Adler muss eine Aussage bei der Polizei machen. Sie erh\u00e4lt den Rat, einen Opferanwalt mitzubringen. Der kann eingreifen, wenn Fragen nach den Details einer Vergewaltigung eine Retraumatisierung auszul\u00f6sen drohen, und er kann Opferschutz beantragen.<\/p>\n<p>Adler sagt, sie habe Timmerevers um Hilfe durch einen Anwalt gebeten, den sie sich selbst nicht leisten konnte. Es ging nur um ein paar Stunden bei der Kripo. Der Bischof, so behauptet es Adler, soll abgelehnt und gesagt haben: \u201eRei\u00dfen Sie sich zusammen, Sie bekommen das allein hin.\u201c Timmerevers dementiert die Aussage nicht, will sich aber zu Einzelheiten aus Gespr\u00e4chen mit Betroffenen nicht \u00e4u\u00dfern. \u201eWir k\u00f6nnen nachvollziehen, dass die Betroffene noch st\u00e4rkeren Handlungsbedarf w\u00fcnschen w\u00fcrde\u201c, schreibt das Bistum.<\/p>\n<p>\u201eDas war der furchtbarste Moment bisher. Ich habe mich so ausgeliefert gef\u00fchlt, so alleingelassen\u201c, sagt Adler. Panik, Schlaflosigkeit, Angst davor, ins Bett zu gehen. Sie habe Monate gebraucht, um sich von der Befragung zu erholen. Flashbacks, schlagartige Erinnerungen, \u00fcberfallen Adler nun jeden Tag. Weil kein Opferschutz beantragt worden ist, flie\u00dfen offenbar Daten aus der Ermittlungsakte ab. Adler sieht sich in der Folge mit bedrohlichen Anrufen konfrontiert, die sie einsch\u00fcchtern sollen.<\/p>\n<p>Von sich aus habe das Bistum keine weitere Unterst\u00fctzung wie therapeutische Hilfe angeboten. \u201eEine Bitte der betroffenen Frau um Unterst\u00fctzung f\u00fcr eine Psychotherapie oder f\u00fcr medizinische Behandlungen ist dem Bistum nicht bekannt\u201c, schreibt ein Sprecher. Dresden f\u00fchrt seine Ermittlungen zu Ende. Die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen ein, \u201eausschlie\u00dflich wegen der eingetretenen&nbsp; Verfolgungsverj\u00e4hrung\u201c im Jahr 2017. Das Erzbistum Freiburg als auch die Pallottiner leiten daraus ab: Es gilt die Unschuldsvermutung. Pater Vogts Anw\u00e4ltin versucht sogar, den Eindruck zu erwecken, das Verfahren sei \u201emangels Tatverdachts\u201c beendet worden.<\/p>\n<p>Bischof Timmerevers urteilt nach der Missbrauchsordnung: Es gebe \u201etats\u00e4chliche Anhaltspunkte\u201c f\u00fcr sexuellen Missbrauch. Ellen Adler sei vollst\u00e4ndig auf den Schutz und die Hilfe des Ordens angewiesen gewesen. Pater Vogt, der die Vergewaltigung begangen haben soll, und Pater Hahn, der das gedeckt haben soll, untersagt Timmerevers den Seelsorgedienst in seinem Bistum \u2013 nicht als Strafe, weil daf\u00fcr andere zust\u00e4ndig w\u00e4ren, sondern vorbeugend. Beim Erzbistum Freiburg ist nicht von Pr\u00e4vention die Rede, nur von der Unschuldsvermutung. Die Vorw\u00fcrfe seien \u201enicht bewiesen oder plausibilisiert\u201c.<\/p>\n<p>Als Adlers Fall \u00f6ffentlich bekannt wird, geht eine neue Gef\u00fchlsspirale los. Freiburg ver\u00f6ffentlicht eine \u201eKlar- und Richtigstellung\u201c, erkl\u00e4rt, dass wichtige Dokumente wie Arztunterlagen und ein Polizeiprotokoll nie angekommen seien. Ebenfalls bestritt Freiburg, dass Adlers Antrag auf Anerkennung erlittenen Leids vom B\u00fcro der Missbrauchsbeauftragten als \u201eschl\u00fcssig und plausibel\u201c bezeichnet worden sei.<\/p>\n<p>\u201eDas habe ich als erniedrigend empfunden\u201c, sagt Adler. \u201eDie versuchen, mich als L\u00fcgnerin und Betr\u00fcgerin darzustellen.\u201c<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich findet das Erzbistum dann doch Unterlagen, inklusive der eigenen Einsch\u00e4tzung, alles sei schl\u00fcssig und plausibel\u201c. Eine \u00f6ffentliche Entschuldigung bei der Betroffenen gibt es bisher nicht. Adlers Kirchenrechtler, der sie kostenfrei vertritt, fordert noch mehr Richtigstellungen. So behauptete das Erzbistum, es habe Angebote gemacht wie eine telefonische psychologische Unterst\u00fctzung, obwohl Ellen Adler sagt, sie sei nur zu ihrem Antrag befragt worden.<\/p>\n<p>\u201eAlles nur scheibchenweise zuzugeben, das empfinde ich als unw\u00fcrdig\u201c, sagt Adler. \u201eDie geben immer nur zu, was sich gar nicht mehr leugnen l\u00e4sst, und zeigen auf die Missbrauchsbeauftragte, als h\u00e4tten sie nichts damit zu tun.\u201c Auch die Vehemenz, mit der Freiburg auf der Verj\u00e4hrung herumreite, kr\u00e4nke sie, weil aus den Akten ersichtlich sei, dass sich Adler Jahre vor dieser Frist gemeldet habe. \u201eDie haben mit mir geredet, die haben das f\u00fcr plausibel gehalten, ich habe denen vertraut.\u201c<\/p>\n<p>Im Vatikan ist das Verfahren trotz der Dresdner Entscheidung noch bei der Kleruskongregation anh\u00e4ngig, einer Art Priestergewerkschaft. Bischof Timmerevers hat inzwischen mehrfach bekr\u00e4ftigt, dass er an seiner Entscheidung festhalten will, \u201ewie auch immer die Entscheidung der r\u00f6mischen Kongregationen ausf\u00e4llt\u201c. Das habe sie \u00fcberrascht, sagt Ellen Adler. Das Dresdner Verfahren sei zumindest am Ende ertr\u00e4glich und respektvoll ausgegangen, auch wenn ihr dadurch noch keine Gerechtigkeit widerfahre. Dass Timmerevers dem Kreuzfeuer der Kritik aus Freiburg standhalte, beeindrucke sie. \u201eDass sich mein Bischof so klar positioniert, bedeutet mir etwas, weil es nicht selbstverst\u00e4ndlich ist und viele Verfahren abgeb\u00fcgelt werden.\u201c<\/p>\n<p>Der einzige Kirchenobere, der m\u00f6gliche Vers\u00e4umnisse einr\u00e4umt, ist Berlins Erzbischof Heiner Koch. Sollte er etwas \u00fcbersehen haben, so bitte er Adler um Entschuldigung. Und: Nachdem bereits Dresden-Mei\u00dfen und Bist\u00fcmer wie Augsburg und Bamberg Eins\u00e4tzen der beiden Patres widersprochen haben, hat Koch nun ebenfalls die Pallottiner gebeten, Sorge zu tragen, dass Vogt und Hahn nicht im Erzbistum Berlin t\u00e4tig werden. Damit schutzbed\u00fcrftige Erwachsene keiner Gefahr ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>* S\u00fcdwest-Korrespondent der Badischen Zeitung<\/p>\n<p>** Namen ge\u00e4ndert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>S\u00e4chsische Zeitung, Seite 3, 14.05.2021 &#8222;Im guten Glauben ausgeliefert&#8220; Ein Missbrauchsfall ist seit 2013 aktenkundig. Als die katholische Kirche ermittelt, sind die Vorw\u00fcrfe strafrechtlich verj\u00e4hrt. Was macht das mit Opfern? Von Jens Schmitz*, Tobias Wolf und Ulrich Wolf Es gibt sie neuerdings wieder, die Tage an den Ellen Adler** am liebsten das Telefon abstellen w\u00fcrde. 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